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  • Kritik: Beziehungsdrama mit Keira Knightley/Sienna Miller

    London 1941. Der Luftkrieg eskaliert. Die Zivilbevölkerung sucht während der nächtlichen Bombenangriffe der Deutschen Zuflucht in den U-Bahn-Stationen. In einem dieser provisorischen Luftschutzkeller gibt die junge walisische Sängerin Vera Phillips (Keira Knightley) eine fast surreal anmutende Vorstellung.

    Später trifft die ungewöhnlich glamouröse Frau in einem Pub ihre große Jugendliebe, den mittlerweile berühmt-berüchtigten, mit der Tänzerin Caitlin (Sienna Miller) verheirateten Dichter Dylan Thomas (Matthew Rhys) wieder. Schnell wird klar, dass das Feuer der ersten Liebe noch nicht ganz verloschen zu sein scheint. In den Armen von Vera kann der Dichter noch einmal von seiner «Goldenen Jugend» träumen und die drückenden Alltagssorgen vergessen.

    Aber etwas stimmt hier nicht, Keira Knightleys Teint ist einfach zu makellos, die vielen Großaufnahmen ihres Gesichts zeigen keine Tingeltangel-Sängerin im kriegsversehrten London, sondern wirken wie bunte, völlig beliebige Abziehbildchen eines Stars vor stimmungsvoll brennenden Kulissen. Und so kommt dieses ambitionierte Beziehungsdrama visuell eher holperig in Gang, obwohl die Schminke im Laufe des hochkarätig besetzten Films dann deutlich spärlicher eingesetzt wird.

    Der britische Regisseur John Maybury («Love is the Devil», «The Jacket») legt mit «Edge of Love - Was von der Liebe bleibt» kein klassisches Porträt des genialisch-versoffenen Poeten Dylan Thomas (1914-1953) vor, vielmehr erzählt er eine turbulente Dreiecksgeschichte mit zwei starken Frauen im Mittelpunkt. Keira Knightley gibt in dieser «Ménage à trois» die rehäugige Unschuld vom Lande, während Sienna Miller als leidgeprüfte Ehefrau des notorisch in Geldnöten steckenden Dylan Thomas eher den bodenständigen Part übernimmt. Und bald ziehen sich alle drei bei Bombenalarm im Ehebett die Decke über den Kopf, oder die beiden Frauen räkeln sich lasziv in der Badewanne. Dabei bemühen sich die beiden Hauptdarstellerinnen redlich, aber viel mehr als ein paar schöne, aber erschreckend belanglose Sequenzen ergibt dies leider nicht.

    Die Drehbuchautorin Sharman Macdonald, übrigens die Mutter Keira Knightleys, weiß mit der eigentlich explosiven Dreier-Konstellation, die lose mit der Biografie von Dylan Thomas verknüpft ist, leider viel zu wenig anzufangen, und so muss ein Vierter im Bunde her. Der Soldat William (Cillian Murphy) verliebt sich in Vera, heiratet sie, zieht dann in den Krieg, leidet schrecklich und kehrt schwer traumatisiert zurück. Schließlich bedroht er von Eifersucht angefeuert mit der Waffe den liederlichen Dichter und dessen Entourage, und damit ist dann der dramaturgische Höhepunkt endlich erreicht.

    Als Epilog gibt es noch eine langwierige Gerichtsverhandlung, aber zu diesem Zeitpunkt ist das Interesse an den Figuren längst erloschen. Und die gediegen-symphonische Filmmusik von Angelo Badalamenti, dem Hauskomponisten von Regisseur David Lynch, liegt diesmal bleischwer auf den Bildern.

    Johannes von der Gathen, dpa

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