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  • Kritik: Bewegendes StasiDrama mit Starbesetzung

    Die DDR, das war nicht nur das Land der Trabis, Spreewaldgurken und Ampelmännchen, sondern auch ein Staat, in dem Menschen bespitzelt, aus nichtigem Grund verhaftet wurden und einfach von der Bildfläche verschwanden. Eine Diktatur. «Das Leben der Anderen» zeigt den Überwachungsstaat in der DDR, ohne dabei belehrend zu werden.

    Die Geschichte eines Stasi-Offiziers (brillant: Ulrich Mühe), der wenige Jahre vor dem Mauerfall in die Intimsphäre der von ihm überwachten Künstler eindringt, ist bewegend, spannend und hochkarätig besetzt.

    Nach eher humorigen Filmen wie «Sonnenallee», «Good Bye, Lenin!» und «NVA» scheint mit diesem Film die Ostalgie-Welle im Kino vorbei zu sein - er ist dabei noch mutiger als Dominik Grafs «Der Rote Kakadu». Mehr als 16 Jahre nach dem Untergang der DDR beansprucht er für sich, der erste deutsche Kinofilm zu sein, der sich mit dem Alltag im Überwachungsstaat befasst. Das Debüt von Florian Henckel von Donnersmarck hat schon beim Bayerischen Filmpreis abgeräumt und könnte ein Favorit beim Deutschen Filmpreis werden.

    Die Grundidee hatte der erst 32 Jahre alte Regisseur, der in Köln geboren wurde und Ost-Berlin von Kindheitsbesuchen kennt, bei einer Kreativitätsübung an seiner Filmhochschule. Ein Mann sitzt in einem trostlosen Raum und hört über Kopfhörer wunderschöne Musik, aber nicht zum Vergnügen, sondern, weil er jemanden belauschen muss. Diese Figur reifte über die Jahre zu Gerd Wiesler heran, einem linientreuen, anfangs skrupellosen Stasi-Hauptmann, der sich als «Schild und Schwert» der Partei sieht.

    Wie sich dieser Mensch durch die Spitzelarbeit verändert, spielt Mühe («Der Stellvertreter», «Der letzte Zeuge») feinfühlig und ausbalanciert bis in jeden Blick und jede Geste. Auf die Frage, wie er sich vorbereitet hat, sagt der DDR-Theaterstar schlicht: «Ich habe mich erinnert.» Im Film ist er als Stasi-Mann freilich auf der anderen Seite. Bei vielen im Ensemble waren die Dreharbeiten der Anlass, zum ersten Mal über das zu DDR-Zeiten Erlebte zu sprechen, wie von Donnersmarck erzählt. Und das nach so langer Zeit: «Manche Wunden heilen halt sehr langsam.»

    Dem Film, der an Originalschauplätzen wie in der Birthler-Behörde und an einstigen Stasi-Orten gedreht wurde, ist in fast jeder Szene anzumerken, dass der Drehbuchautor gründlich recherchiert hat. Von Donnersmarcks Gesprächspartner waren Historiker und viele Zeitzeugen, darunter ein ehemaliger Stasi-Oberstleutnant, der Schriftsteller Christoph Hein, die Dramaturgin Gisela Pucher und der Bühnenbildner Bert Neumann.

    Im Film sind die misstrauisch beäugten Künstler ein Liebespaar, der Dramatiker Georg Dreyman und die Bühnengröße Christa-Maria Sieland (überzeugend: Sebastian Koch und Martina Gedeck). Die Figuren sind erfunden, erinnern aber natürlich an die unter anderem von Wolf Biermann geschilderte DDR-Künstlerwelt. Mitsamt den absurden Details aus den Stasi-Akten: Hauptmann Wiesler belauscht in einer Szene eine Geburtstagsparty und hört, wie das Paar Geschenke auspackt. «Danach vermutlich Geschlechtsverkehr», notiert er in seiner Überwachungszentrale auf dem Dachboden.

    Oberstleutnant Anton Grubitz, den Ulrich Tukur als archetypischen Karrieristen spielt, hat Wiesler mit der Mission beauftragt, weil damit einem ZK-Mitglied der Liebesrivale Dreyman aus dem Weg geräumt werden soll. Dabei dringt Wiesler nicht nur in das «Leben der Anderen» ein, sondern muss auch entscheiden, ob er den Dramatiker verrät, der einen DDR-kritischen Artikel über die Selbstmordrate im SED-Staat im «Spiegel» veröffentlichen will.

    Ist «HGW XX/7», so kürzelt sich Wiesler in seinen Protokollen, tatsächlich ein «guter Mensch», wie es ein Klavierstück anklingen lässt? Was passiert nach dem Fall der Mauer? Ein versöhnliches Happy End gibt es nicht. Die gestandene Agentin der Schauspieler Mühe, Koch und Tukur soll geweint haben, als sie das Drehbuch las. Das wird manchen Zuschauern im Kino auch so gehen, vielleicht den «Ossis» noch eher als den «Wessis».

    dpa

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