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  • Kritik: Bewegender Polizeifilm

    Der junge Antoine hat gerade die Polizeischule absolviert und wagt den Sprung ins kalte Wasser: Gleich nach seiner feierlichen Vereidigung tritt der Nachwuchskommissar aus der Provinz eine Stelle bei der Kriminalpolizei in Paris an. Seine Freundin ist davon gar nicht begeistert. Aber der ruhige, bedächtige Antoine (Jalil Lespert) hat zunächst Glück: Die erfahrene Kommissarin Caroline Vaudieu (Nathalie Baye) nimmt den jungen Kollegen unter ihre Fittiche.

    Schnell entwickelt die Chefin mütterliche Gefühle für ihren Schützling. Caroline hat im Leben einiges mitgemacht. Ihr Sohn starb im Alter von sieben Jahren an einer Hirnhautentzündung, sie selbst hatte Probleme mit dem Alkohol. Jetzt scheint ein Neuanfang möglich - aber da wird der unerfahrene Antoine bei Ermittlungen zu einem Mordfall schwer verletzt. Caroline macht sich heftige Vorwürfe.

    Der französische Regisseur Xavier Beauvois hat einen sehr realistischen und bewegenden Polizeifilm inszeniert. «Eine fatale Entscheidung» zeichnet alles andere als ein romantisches Bild der Kripoarbeit. Zur Vorbereitung auf sein Projekt hat Beauvois einen Pariser Kommissar mehrere Monate lang begleitet. «Diese Realität kam mir viel interessanter vor als das Klischee des Genres», erklärt der Regisseur. In seinem konsequenten Realismus erinnert der Film «Le petit Lieutenant», so der Originaltitel, an Bertrand Taverniers großartigen Polizeifilm «L.617» von 1992.

    Der naive Antoine wird mitten hineingerissen in das unspektakuläre Kleinklein der Ermittlungen, den tägliche Papierkram und die Hektik in den viel zu engen Büros. Das Team muss den Mord an einem Obdachlosen am Seine-Ufer aufklären. Die Nachforschungen ziehen sich hin, die Männer sind frustriert. Die Polizisten in diesem sehr authentischen Film sind keine Helden, sondern gestresste Familienväter oder großmäulige Machos - Typen mit vielen Schwächen und Macken. Frei von Rassismus ist keiner von ihnen.

    Da wirkt die beharrliche Caroline fast wie ein Fremdkörper. Wenn ihre Kollegen abends feiern, bleibt sie außen vor. Nathalie Baye spielt diese Kommissarin mit abgründiger Melancholie. Einmal steht sie mit einem Kollegen in der Dämmerung am Fluss. Sie rauchen, und sie spricht über die Dinge, die sie mag: die Nacht, die Straße, die Bars. Eine Szene wie aus einem Film noir.

    Ein gewisser Fatalismus durchzieht dieses engagierte Asphaltdrama. Das Klima in Frankreich ist gereizt, nicht nur in den Vorstädten sind die Leute nervös. Paris kann sehr kalt sein. «Ich möchte, dass meine Filme den selben Geruch haben wie die Gesellschaft, sie sollen so schmecken und riechen», sagte Xavier Beauvois. Dies ist ihm hier eindrucksvoll gelungen.

    Von Johannes von der Gathen, dpa

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