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  • Kritik: Bewegende Ballade über Lebensträume

    Wehmütig blickt ein rundlicher Rentner (Horst Krause) auf das Werkstor des still gelegten Salzbergwerks in Sachsen- Anhalt. Seit der Schließung verbringt der Vorruheständler seine Zeit zusammen mit ehemaligen Kumpeln in Kneipen, im Schrebergarten oder mit dem Polka-Spielen auf seinem Akkordeon.

    Als er eines Nachts Südstaatenklänge im Radio hört, lässt ihn diese Musik nicht mehr los. Der Hobbymusiker greift in die Tasten und verfällt fortan dem Blues, womit er beinahe die gediegene Jubiläumsfeier seines Heimatmusikvereins sprengt.

    In dem preisgekrönten Kinofilmdebüt «Schultze gets the blues» des deutschen Autors und Regisseurs Michael Schorr bricht ein Frührentner aus der Tristesse seines eintönigen Alltags aus und wagt einen Neuanfang, der ihn bis in die Sümpfe von Louisiana führt.

    Mit diesem kleinen, tragikomischen Low-Budget-Film stieß der ostdeutsche Filmemacher auf eine überwältigende Resonanz im In- und Ausland. Bei den internationalen Filmfestspielen in Venedig bekam «Schultze gets the Blues» viel Lob und erhielt den Regiepreis der Nebenreihe Controcorrente. Seitdem wurde der Film zu zahlreichen Festivals eingeladen und von Stockholm bis Spanien mit Preisen dekoriert. Als Produzent für diesen Überraschungserfolg zeichnet Jens Körner verantwortlich, der in Dresden die Produktionsfirma Filmkombinat betreibt.

    Den vom Blues-Fieber gepackten Akkordeonspieler zieht es in die Südstaaten zu den Wurzeln dieser Musik, wo er trotz der Sprachbarrieren schnell neue Freunde und Denkanstöße findet. Bevor die Dreharbeiten in Sachsen-Anhalt, Louisiana und Texas begannen, recherchierte der Regisseur lange im Süden der USA. «Es stand von Anfang an fest, dass wir diesen Film in einem dokumentarischen Stil an realen Orten drehen und die Menschen, die dort leben, in den Film einbauen», sagt Schorr.

    Bei seiner Suche nach ungewöhnlichen Schauplätzen entdeckte der Regisseur das «Wurstfest» in New Braunfels in Texas sowie einen gut besuchten Tanzclub in einer völlig entlegenen Gegend. «Mein Ansatz war, den Humor immer aus der Situation heraus zu entwickeln», erklärt Schorr. «Mit unserem kleinen Team haben wir an diesen Orten einfach im Guerilla-Stil mitgedreht, wenn die Menschen in einer Bar zu tanzen begannen.»

    Wie schon Percy Adlons «Out of Rosenheim» bezieht auch dieses warmherzige, originelle Roadmovie seinen lakonischen Charme vor allem aus den kulturellen Unterschieden und Gegensätzen. Getragen wird «Schultze gets the blues» ganz maßgeblich von der überzeugenden, schauspielerischen Leistung des Hauptdarstellers Krause, der durch seine Ausdrucksstärke zu Hochform aufläuft.

    Mit langsamem Erzähltempo und leisen Zwischentönen fängt der Regisseur auf dieser atmosphärischen Reise nicht nur verschiedene Lebensentwürfe und Vorstellungen von Wirklichkeit ein, sondern verdichtet die Lebensträume seines alternden Protagonisten mit augenzwinkerndem Humor zu einer stimmungsvollen, bewegenden Ballade, die auch hier zu Lande das Kinopublikum verzaubern könnte.

    dpa

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