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  • Kritik: Betrachtung über Trauer und Verlust

    Regisseur Brad Silberling verarbeitet in seinem dritten Film die tragische Geschichte der Ermordung seiner eigenen Verlobten.

    "Moonlight Mile" erzählt ebenso eindringlich wie still ein ergreifendes und ungewöhnliches Liebes- und Familiendrama über den plötzlichen Verlust eines geliebten Menschen. Bei seiner Vorstellung auf der Berlinale im Februar zu Unrecht von vielen übersehen, ist der mit Jake Gyllenhaal, Dustin Hoffman, Susan Sarandon und Holly Hunter hochkarätig besetzte Film ein echter Geheimtipp. Silberlings Ansatz, diese hochsensible Geschichte zwischen Screwball-Komödie und bitter-süßem Kammerspiel changieren zu lassen, ist gewagt aber sehenswert.

    Ein Kleinstadtnest an der US-amerikanischen Ostküste im Jahr 1973: Der junge Joe Nast (Jake Gyllenhaal) steckt in einer tragischen Situation: Seine Verlobte Diana ist drei Tage vor der geplanten Hochzeit als Unbeteiligte bei einer Schießerei in einem Restaurant ums Leben gekommen. Für Joe und Dianas Eltern - Ben (Dustin Hoffman) und Jojo Floss (Susan Sarandon) - bricht ein Martyrium an. Ben und Jojo versuchen anfänglich noch, Dianas Tod zu verdrängen und flüchten sich in Aktionismus. Und Joe, der für Dianas Eltern immer mehr in eine Ersatzrolle als Kind rutscht, traut sich nicht, ein folgenschweres Geheimnis preiszugeben. Bis er die junge Bertie (Ellen Pompeo) kennen lernt...

    Silberling beweist Talent im Umgang mit emotional komplexen Stoffen

    Silberling, Regisseur, Produzent und Autor, beweist nach "Casper" und "Stadt der Engel" auch in "Moonlight Mile" sein Talent im Umgang mit emotional komplexen Stoffen. Dabei lehnt er sich an Dustin Hoffmans ersten Kinoerfolg "Die Reifeprüfung" an. Auch "Moonlight Mile" erzählt am Beispiel des von Jake Gyllenhaal beeindruckend gespielten Joe augenzwinkernd über die Probleme des Erwachsenwerdens. Zugleich setzt sich Silberlings Film auf eine für den Zuschauer anfangs verstörend und später befreiend wirkende Weise mit Trauer und Verlust auseinander. Silberling verarbeitet mit seinem neuen Werk persönlich erfahrenes Leid: Seine damalige Freundin Rebecca Schaefer wurde 1989 von einem Fan ermordet.

    Chance auf eine neue Perspektive

    Der Film hat viele bewegende Augenblicke: Wenn die reife Ehefrau Jojo dem jungen Joe den Kern ihrer über Jahrzehnte währenden Ehe mit Ben erklärt; oder wenn Joe zum Schein auf die gruselig anmutenden, um ach so viel Verständnis bemühten Nachbarn eingeht, die ihn zum Abendessen mit ihrer noch unverheirateten Tochter einladen; oder wenn er mit Ben wie mit einem alten Kumpel bis Sonnenuntergang auf einer Bank am Meer sitzend über Gott und die Welt philosophiert - aber beide immer um den heißen Brei herumreden, weil der Schmerz zu tief in ihnen sitzt. Und sie alle werden später doch von der Erkenntnis eingeholt, dass nur eine Chance auf eine neue Perspektive besitzt, wer den eigenen Schmerz zulässt und sich mit ihm auseinandersetzt.

    Peter Leveringhaus, ddp

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