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  • Kritik: Bestseller-Verfilmung "Mitternacht im Garten von Gut und Böse"

    John Kelso ist ein smarter New Yorker Journalist, dem nichts so fremd ist wie das Leben in Amerikas tiefem Süden. Eine Reportage hat ihn jedoch zur Weihnachtszeit genau dorthin geführt. Exakt gesagt, in Georgias attraktive Stadt Savannah mit ihren prächtigen Herrenhäusern. Kelso soll in einem Gesellschaftsblatt schildern, wie der neureiche Antiquitätenhändler Jim Williams das Fest zu feiern versteht. Was letztlich daraus wird, schildert Clint Eastwoods neuer Film "Mitternacht im Garten von Gut und Böse", der am 12. März in die deutschen Kinos gelangt.

    Für Kelso wird der Auftrag zur aufregenden Reise in eine Gesellschaft voll merkwürdiger Typen wie der Vodoo-Priesterin Minerva, dem schwarzen Transvestiten The Lady Chablis oder eben auch dem undurchsichtigen Williams samt seinem Liebhaber Billy. Und dann gibt es auch die hübsche Floristin Mandy, die nicht nur toll singen kann, sondern natürlich auch dem ausgebufften Großstädter den Kopf verdreht. Nebenbei passiert ein Mord, der vor Gericht kommt und in Savannah für Furore sorgt. Kelso hat also eine Menge zu berichten aus diesem exotischen Süden, den er am Ende besser, aber immer noch nicht wirklich versteht.

    Eastwood, der diesmal nicht selbst mitspielt, hat einen Film inszeniert, der ohne Hektik und spektakuläre Action die Zuschauer in den Bann zu ziehen versteht. Erforderlich ist etwas Geduld, Neugier und vor allem Spaß an so faszinierenden Gestalten wie der in Savannah und Umgebung ganz real berühmten Nachtclub-Diva The Lady Chablis. Der inzwischen zu nationalem Ruhm gelangte Transvestit spielt sich einfach selbst, das ist schlicht ein Vergnügen. Es war nicht zuletzt der Zauber dieser Figur, die aus John Berendts gleichnamigen Roman einen Dauerbestseller in den USA machte.

    Altstar Eastwood bewies ein glückliches Händchen, sich diesen Stoff zu sichern und mit Liebe zum Detail, guter Jazz-Musik sowie glänzenden Darstellern auf die Leinwand zu bannen. Neben The Lady Chablis glänzt in der Hauptrolle des Antiquitätenhändlers Williams einmal mehr Oscar-Preisträger Kevin Spacey, derzeit einer wandlungsfähigsten Darsteller des amerikanischen Films. Er spricht in der Originalfassung des Films einen hinreißend singenden Südstaaten-Dialekt, den sich der aus New Jersey gebürtige Spacey offenbar perfekt antrainiert hat.

    Gegen ein solches Kaliber hat es der etwas langweilige John Cusack als Reporter Kelso nicht leicht. Jugendfrisch, sympathisch und mit einer guten Singstimme begabt ist Alison Eastwood (Foto links mit Cusack), die 25jährige Tochter des Regisseurs, als Mandy. Eastwoods Film ist mit 155 Minuten sehr lang geraten. Aber man spricht schließlich auch viel langsamer dort im tiefen amerikanischen Süden. Drehbuchautor John Lee Hancock hat Berendts Roman gestrafft, aber nicht unkenntlich gemacht. Wer sich Zeit zur Begegnung mit der Welt von "Mitternacht im Garten von Gut und Böse" nimmt, den belohnt Eastwoods Alterswerk mit Unterhaltung auf bestem Niveau.

    Wolfgang Hübner, AP

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