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  • Kritik: Bestseller als sozialkritischer Schocker verfilmt

    Bret Easton Ellis' Roman "American Psycho" gehört wohl zu den am heftigsten umstrittenen Romanen, die in den letzten zehn Jahren erschienen sind. Detailliert in der Schilderung des Grauens beleuchtet das Buch den Alltag eines gnadenlosen Todesengels.

    Patrick Bateman, Prototyp des Antihelden der Westlichen Welt, Zentralgestalt der Story, ist ein wohlhabender New Yorker. Der Job ist Nebensache. Entscheidender ist die Pflege der Statussymbole. Ob Visitenkarte, Anzug oder Wagen, alles ist vom Feinsten.

    Erfolg macht Bateman allein am Besitz von Statussymbolen fest. Kein Wunder, dass er aus der Fassung gerät, wenn er im angesagtesten Restaurant der Stadt keinen Tisch bekommt oder wenn die Businesscard eines Anderen edler ist als seine eigene.

    Nahrung für das eigene Ego ist vor allem der makellose Körper, den Patrick wie einen Fetisch pflegt. Gegen Widerwärtigkeiten von Außen, etwa einen Mann, der seine heterosexuelle Männlichkeit anzweifelt und ihm eine schwule Offerte macht, oder einen Bettler, der den Blick auf das Schöne stört, hilft nur eins: Morden.

    Die kompromisslose Beschreibung eines Massenmörders aus sozialpsychologischen Zwängen heraus hat die Kontroverse um das Buch in hohem Maße angeheizt. Eine Verfilmung galt als nahezu unmöglich. Denn Kino muss eindeutigere Bilder liefern als Literatur. Wie soll das gehen, wenn etwa en detail erzählt wird, wie ein Mann regelrecht zu Wurst verarbeitet wird?

    Die aus Kanada stammende Regisseurin Mary Harron ging das Wagnis ein und landete einen Volltreffer. Ohne sich von der vermeintlichen Attraktivität möglicher visueller Orgien verführen zu lassen, gelang ihr eine Adaption, die insbesondere die sozialkritischen Aspekte der überaus ironischen Vorlage ins Zentrum des Films rückt.

    Mit Christian Bale fand sie eine Idealbesetzung für die Hauptfigur des mörderisch selbstsüchtigen Yuppies Bateman. Von eiskalter Eleganz, durchtrainiert, immer ein süffisantes Lächeln um die Lippen, erscheint er schon äußerlich als ideale Verkörperung des modernen Monsters.

    Darüber hinaus gelingt es ihm, die Leere hinter der Larve zu zeigen, die Angst des Mannes, dass das manisch errichtete Kartenhaus des schönen Scheins zusammenbricht. Und er gibt durch sein pointiertes Spiel einem Aspekt des Romans zusätzlich Gewicht: Bateman ist ein typischer Vertreter jener Generation Mann, die - unfähig über den eigenen Bauchnabel hinaus zu blicken - nicht in der Lage sind, ihren Platz in einer Welt zu finden, in der Männer und Frauen tatsächlich gleichberechtigt sind.

    Die Morde und anderen Gewalttaten zeigt Harron als Spiegel von Batemans Persönlichkeit und damit als Spiegel einer Gesellschaft, deren tragende Gestalten seelenlose Typen wie er sind. Kamera und Schnitt arbeiten dabei meist mit einer bewusst ausgestellten Theatralik, die durchweg die satirische Überhöhung betont. Wenn da beispielsweise eine Motorsäge gravitätisch durch ein Treppenhaus gleitet, um eine vor Bateman flüchtende Frau zu meucheln, ist das von kabarettistischer Klasse.

    Diese und jede andere von Gewalt durchtränkte Szene des Films machen klar: Hier geht es nicht um eine unterhaltsame Zurschaustellung von Abstrusitäten, hier wird eine Gesellschaft vorgeführt, deren abstruse Mechanismen des Designs von Dienern der Profitmaximierung weitaus tödlicher sind als die Methoden eines Serienkillers. Das wird im Finale noch einmal deutlich unterstrichen: Da wird nämlich, filmisch überaus raffiniert, der Schwarze Peter dem Publikum zugeschoben. Auf dem Nachhauseweg dürfte viele, Männer wie Frauen, die Frage bewegen, wie viel von Bateman in ihnen selbst steckt.

    Peter Claus, dpa

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