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  • Kritik: Bessons Science-Fiction "Das fünfte Element" mit Bruce Willis

    Hamburg (dpa) - Das Leben kann auch in ferner Zukunft wie ein Märchen aus uralten Zeiten aussehen: Zumindest für den französischen Regisseur Luc Besson, der sich mit seiner Weltraumsaga "Das fünfte Element" seinen eigenen Angaben nach einen langgehegten Jugendwunsch erfüllt hat. Wer sich für die obskuren Gestalten der Weltraum- Bahnhofsbar aus dem "Krieg der Sterne" begeisterte, der kommt auch in Bessons Science-Fiction-Märchen auf seine Kosten. Am 28. August kommt der Streifen, der als Auftakt der Filmfestspiele in Cannes die Kritiker eher enttäuschte, das Publikum in den USA und Frankreich aber in Heerscharen anlockte, in die deutschen Kinos.

    Ganz einfach, aber ganz perfekt inszeniert: So ließe sich die Story charakterisieren, die Besson mit fast manischer Sorgfalt fürs Detail entspinnt. Das Ewig-Gute wird vom Ewig-Bösen bedroht, das sich im Abstand von 5 000 Jahren dem Planeten Erde nähert - Abhilfe und Rettung vor dem Untergang verspricht allein das geheimnisvolle fünfte Element, das sich aus Wasser, Feuer, Luft und Erde zusammenfügt und das pure Leben selbst ist. In diesem Fall verkörpert von der jungen Klon-Frau Leeloo (das Model Milla Jovovich) mit apfelsinenrotem Haar und dem schwerverständlichen Dialekt der gemeinen Außerirdischen.

    Als Retter, der sich an die Spuen der Angreifer heftet und dabei die wohltrainierten Muskeln spielen lassen darf, ist einmal mehr der "Vorzeige-Underdog" Bruce Willis im Rennen. Und in der Tat spielt er den Ex-Polizisten und Taxifahrer in der desolaten Millionenstadt mit dem erforderlichen schnodderigen Humor und Charme. Seine Flucht vor der Polizei, im fliegenden Taxi durch die Straßenschluchten zu den Ethno-Klängen des Rai-Musikers Khaled, gehört zu den schmissigsten Szenen im gesamten Film.

    Gegenspieler als Adlatus des Bösen ist Gary Oldman, mit dem Besson interessanterweise eine seltsame Doppelbeziehung einging. Während Oldman in Bessons Fantasy-Märchen die Rolle des Teufels übernahm, fungierte Besson bei Oldmans Regiedebüt, der düster-realistischen Sozialstudie "Nil by mouth", als Produzent. Gegensätzlicher hätten die Gemeinschaftsarbeiten kaum ausfallen können. "Ich würde sagen, es ist ein Drittel ,Brazil', ein Drittel ,Star Wars' und ein Drittel ,Jacques Tati'", sagt Besson zu seinem Projekt, das er bereits Anfang der 90er Jahre einmal in Angriff nahm, aber wegen immer ausufernderer Dimensionen zwischendurch auf Eis legte.

    So kappte er das Drehbuch kurzerhand in zwei Teile - eine Fortsetzung dürfte bei Erfolg damit kein Problem sein. Doch trotz des abgespeckten Ausmaßes atmet der Film in jeder Einstellung immer noch das Perfektionsbestreben seines Machers, und das gereicht dem Streifen nicht immer zum Vorteil. Zwar hat Besson mit Jean-Paul Gaultier einen der ersten Namen der Modewelt für sein Kostümdesign verpflichtet und ein Drittel der für europäische Verhältnisse horrenden Produktionssumme (90 Millionen Dollar) für aufwendige Spezialeffekte ausgegeben, aber gerade dieses Styling bis aufs I- Tüpfelchen nimmt dem Film auch wieder eine Portion Leben.

    Vor allem am Ende übertrumpfen sich im überlangen Showdown die Effekte, grausig-schöne Monster konkurrieren mit perfekt gekleideten Weltraumstewardessen, und jeder Klingelknopf trägt die Handschrift Gaultiers. Dem Zuschauer, der von Bessons poetischem Unterwasserdrama "Im Rausch der Tiefe" beeindruckt war, drängt sich der Eindruck auf: Nicht immer werden die verwirklichten Kindheitsträume zu mit kindlicher Leichtigkeit erzählten Traumfilmen.

    Von Andrea Barthelemy, dpa

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