40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Bertoluccis Kammerspiel mit Musik
  • Kritik: Bertoluccis Kammerspiel mit Musik

    Ein großer Film ist es nicht, und auch kein neuer: Bernardo Bertolucci hat «Shandurai und der Klavierspieler» bereits 1998 gedreht, eigentlich für das Fernsehen, er lief auf einigen Festivals, die Reaktionen waren gemischt.

    Nun kommt das Kammerspiel mit Musik in die deutschen Kinos. Bertoluccis Fangemeinde wird ihn nicht missen wollen, Anklänge an den «Letzen Tango in Paris» sind ebenso zu finden wie an die in mancher Hinsicht verwandten «Träumer» aus dem letzten Jahr. Seit Bertoluccis monumentalen Erfolgen wie dem «Letzten Kaiser» sind viele Jahre vergangen, und auch das Geld wird knapper. Ergebnis: Ein kleiner Film für Freunde.

    Die Handschrift des Meisters ist nicht zu übersehen, aber viele Worte macht das Werk nicht: In den ersten 20 Minuten wird kaum gesprochen, und danach auch nicht viel. Es beginnt in Afrika, wir werden Zeuge, wie Shandurais Ehemann von den Schergen einer ungenannten Diktatur verhaftet wird. Wenig später begegnen wir der schönen Frau (Thandie Newton) in Rom, wo sie Medizin studiert und als Putzfrau im Palazzo des schrägen Komponisten Kinsky (David Thewlis) untergekommen ist. Oben, in den Gemächern des Musikers: Überdruss, Langeweile, Sprachlosigkeit, akademisches Musizieren. Unten, im Keller: Neugier, Lebenslust, afrikanische Popmusik. Dazwischen: Eine wunderschöne Treppe und ein Lastenaufzug.

    Kinsky liebt Shandurai, jedenfalls sagt er das. Sie liebt ihn nicht, jedenfalls sagt sie das. Aber es gibt Hoffnung und eine Bedingung: Sorge dafür, dass mein Mann frei kommt, sagt Shandurai. Dann wieder Sprachlosigkeit zwischen oben und unten, Beethoven im Salon, Papa Wemba im Keller. «Belagerung» (L'Assedio) heißt der Film im Original. Doch allmählich kommt Bewegung in die Fronten: Kinsky entwickelt einen Hauch von Lebenslust, während gleichzeitig die herrschaftliche Wohnung an der Spanischen Treppe immer leerer wird. Nach und nach verschwinden Kunstwerke, Wandteppiche, am Ende sogar der Flügel, der in einer grandiosen Szene mit einem Kran aus dem Fenster in die enge römischen Gasse balanciert wird.

    Wir ahnen es: Kinsky wirft nicht nur emotionalen Ballast ab, er ist auch dabei, Shandurais Ehemann freizukaufen. David Thewlis spielt den erwachenden Klavierspieler mit eckigen Gesten, anrührend in seiner schüchternen Hingabe. Thandie Newton als Shandurai bleibt auch in dieser Phase seltsam unbeteiligt. Ihr Dilemma ist aber nicht mehr aufzuhalten. Während ihr endlich frei gelassener Man an einem Sonntagmorgen an die Tür des Palazzo klingelt, liegt sie zum ersten Mal in den Armen des Musikers. Ein Happy End kann es nicht geben.

    dpa

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Maximilian Eckhardt

    Mail | 0261/892743

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    -3°C - 4°C
    Sonntag

    -5°C - 2°C
    Montag

    -3°C - 2°C
    Dienstag

    -2°C - 4°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!