40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Berauschend schönes Martial-Arts-Epos von Ang Lee
  • Kritik: Berauschend schönes Martial-Arts-Epos von Ang Lee

    Sanft biegen sich die Baumwipfel des Bambus- Waldes, in dem sich der Kämpfer Li Mu Bai (Chow Yun Fat) mit seiner jungen Gegnerin Jen (Zhang Ziyi) in schwindelerregender Höhe eine spektakuläre Verfolgungsjagd liefert. Federleicht schwingen sie sich von Ast zu Ast, bis sie schließlich den perfekten Schwebezustand erreichen.

    In seinem siebten Kinofilm "Tiger Dragon" meistert der in Taiwan geborene Regisseur Ang Lee ("Sinn und Sinnlichkeit", "Der Eissturm") das Kunststück, die Gesetze von Raum und Schwerkraft außer Kraft zu setzen.

    Mit diesem bezwingend romantischen Bilder-Epos, das vor der exotischen Kulisse des alten Chinas angesiedelt ist, sorgte Ang Lee nicht nur bei den Filmfestspielen in Cannes im Jahr 2000 für Furore. Auf dem Filmfestival in Toronto erhielt er den Publikums-Preis.

    Für die atemberaubenden Kampfszenen zeichnet der chinesische Action-Choreograf Yuen Wo-Ping verantwortlich, der mit seinen fulminanten Tricks in dem Hollywoodhit "Matrix" weltweit Aufsehen erregte. "Für die Spezialeffekte stand uns hier ein wesentlich geringeres Budget zur Verfügung", sagt Regisseur und Produzent Ang Lee, der deshalb auf teure Computer-Simulationen verzichtete. Um seine Darsteller zum Fliegen zu bringen, hängte er sie an dicke Kabel, die später digital im Rechner entfernt wurden. "Wir setzten sogar Gummiseile ein, damit die Schauspieler entsprechend hoch hüpfen konnten", schmunzelt Lee. "Das hat es selbst im asiatischen Kino noch nie gegeben."

    In seinem bildgewaltigen Kinodrama, das in den letzten ruhmreichen Jahren der altehrwürdigen Qing-Dynastie spielt, verknüpft der Regisseur spielerisch zwei wundersame Liebesgeschichten. Während der Martial-Arts-Meister heimlich die Verlobte (Ex-Bond-Girl Michelle Yeoh) eines verstorbenen Waffenbruders begehrt, fühlt sich die junge, schöne Gouverneurs-Tochter Jen zu einem Banditen (Chang Chen) hingezogen. Um sich von den Zwängen der Tradition zu befreien, stellt sie nachts als maskierter Dieb ihr kämpferisches Talent unter Beweis. "Mich faszinieren starke Frauenfiguren", bekennt Ang Lee.

    Für die Choreografen erwies sich diese Herausforderung als großes Problem, da der Beruf des Stuntman eine reine Männerdomäne ist. "Selbst professionelle Schauspielerinnen können diese Arbeit nicht leisten", weiß Ang Lee. "Es ist schwieriger, eine Stuntfrau zu finden als eine Ehefrau."

    Die Vorlage zu diesem mystischem Kinomärchen lieferte der Roman "Hidden Dragon, Crouching Tiger" von Wang Du Lu, der Anfang des 20. Jahrhunderts in China erschien. "Für mich hat sich mit diesem Film ein alter Kindheitstraum erfüllt", strahlt der Regisseur. "Martial- Arts gilt in China als eine hohe Kunst, um seine eigene Stärke zu entdecken. Ich wollte eine menschliche Geschichte erzählen, ohne mich dabei in Action zu verlieren."

    Dieser Anspruch ist Ang Lee mit seinem philosophischen Melodram "Tiger Dragon" zweifellos gelungen, das sich mit einer epischen Liebesgeschichte vor dieser Tradition verbeugt. In berauschend schönen Bildern erscheint die Landschaft Chinas als märchenhafte Welt, in der es die Helden in völligem Einklang von Geist und Körper vermögen, mit der gleichen Leichtigkeit reißende Gewässer wie beengende Mauern zu überwinden. "Im asiatischen Kino geht es oft um soziale Verpflichtungen, die im Konflikt mit der persönlichen Freiheit stehen", sagt Ang Lee. "Ihren Ausdruck finden solche Gefühle in der Akrobatik der chinesischen Oper und dem Kino der Martial-Arts, welche die Fantasie für Transzendenz, Kraft und Romantik anregen. Es war daher mein Wunsch, einen Film zu drehen, der dem emotionalen Tod dieses wunderbaren Genres etwas entgegensetzt."

    Birgit Heidsiek, dpa

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Fabian Strunk

    Tel.: 0261 / 892 324

    Kontakt per E-Mail

     

     

    Fragen zum Abo: 0261 / 98 36 2000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Mittwoch

    -2°C - 2°C
    Donnerstag

    3°C - 6°C
    Freitag

    4°C - 8°C
    Samstag

    6°C - 9°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!