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  • Kritik: Benigni und das Wunder der Liebe

    Der neue, im wahrsten Sinne des Wortes Wunder-volle Benigni ist da. Wie auch bei seinem Oscar-gekrönten Werk «Das Leben ist schön» (1997) hat Roberto Benigni, der zappelige Star des italienischen Kinos, wieder Regie geführt und die Hauptrolle übernommen. Und wie in seiner ergreifenden KZ-Tragikomödie spielt auch «Der Tiger und der Schnee» während eines Krieges: 2003 im Irak.

    Viele Kritiker - vor allem unter seinen Landsleuten - hatten erwartet, der Pazifist Benigni werde einen hochpolitischen Anti-Kriegs-Film drehen. Sie wurden enttäuscht: Ihm ist ein poetischer, märchenhafter Liebesfilm gelungen, ein Plädoyer für den Glauben an die Liebe und für die Hoffnung - selbst in Zeiten des Krieges.

    Wie wunderbar realitätsfern «Der Tiger und der Schnee» ist, macht schon der Einstieg deutlich: US-Musiker Tom Waits spielt live den eigens für diesen Film komponierten Song «You Can Never Hold Back Spring», mitten in der Nacht in einer Kirchenruine. Der Dichter und Literaturdozent Attilio (Roberto Benigni) schreitet in Unterwäsche durch die voll besetzten Stuhlreihen. Dann kommt die Braut in Weiß, Vittoria (Nicoletta Braschi), sie küssen sich. Ein Traum, den der verliebte Attilio jede Nacht träumt. Dass seine Angebetete (im wirklichen Leben Benignis Angetraute) nichts von ihm wissen will, ficht den Optimisten nicht an.

    Der wortgewandte Romantiker folgt der Frau seiner Träume überall hin. Selbst in den Irak, wo sie an einer Biografie über den in seine Heimat zurückgekehrten Lyriker Fuad (Jean Reno in einer für ihn eher untypischen Rolle) arbeitete und bei einem Bombenanschlag schwer verletzt wird. Der Liebende überwindet alle Hindernisse, gibt sich als Arzt beim Roten Kreuz aus und kommt auf abenteuerlichen Wegen ins vom Krieg zerstörte Bagdad. Er glaubt felsenfest daran, dass er Vittoria retten kann, ja retten muss, denn wenn sie stirbt, dann stirbt für ihn die ganze Welt. Mit seiner unerschütterlichen Hoffnung und seinem unsterblichen Optimismus macht er entgegen aller Logik das Unmögliche wahr.

    Der ganz alltägliche Wahnsinn des Krieges, die Paranoia der US-Soldaten, das Elend der Bevölkerung, die Verrohung der Sitten, der katastrophale Medikamentennotstand, all das zeigt Benigni auch - aber auf seine Art: Mal in Andeutungen, die ihre Tragik durch den krassen Gegensatz zu seiner ansteckenden Lebenskraft entfalten, mal slapstickhaft übertrieben. Seine Wurzeln in der Commedia dell'Arte verleugnet Benigni keinesfalls.

    «Der Tiger und der Schnee» zeigt, dass leidenschaftliche Liebe Berge versetzen, ja sogar einen Tiger im Schnee durch Rom streifen lassen kann. Nachdem sein letzter Film, «Pinocchio» (2002), international floppte, hatte Benigni, wie er selbst sagte, «die vermessen scheinende Hoffnung, dass dieser Film (die Zuschauer) überrascht, verstört, amüsiert und bewegt. Aber wenn wenigstens etwas davon eintreten würde, dann wäre ich sehr glücklich.» Benigni kann glücklich sein.

    dpa

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