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  • Kritik: Benigni lässt die Puppen tanzen

    Roberto Benigni hat sich mit seinem neuen Spielfilm "Pinocchio" einen Traum erfüllt. Mit Co-Autor Vincenzo Cerami adaptierte der italienische Schauspieler und Regisseur die legendäre Romanvorlage von Carlo Collodi für die Leinwand.

    "Fellini sprach von 'Pinocchio' wie von einem prophetischen Buch, fast wie vom Evangelium", weiß Benigni noch über den Regiealtmeister Italiens zu berichten. Ausgestattet mit einem Budget von 47 Millionen Euro und 4000 Statisten lässt Oscar-Preisträger Benigni ("Das Leben ist schön") nun in der Toskana des 19. Jahrhunderts die Puppen tanzen.

    Renitente Holzpuppe landet im Gefängnis

    Eines Tages findet Geppetto (Carlo Giuffrè) vor seiner Tür einen Pinienstamm und beschließt, daraus eine Holzpuppe zu schnitzen. Der einsame Mann wünscht sich so sehr einen braven Gefährten, dass er mit der Puppe zu sprechen beginnt und ist überglücklich, als der leblose Junge aus Holz ihm antwortet. "Pinocchio" (Roberto Benigni) erblickt das Licht der Welt und beginnt sofort, seine Umwelt auf den Kopf zu stellen. Die renitente Holzpuppe will das neu gewonnene Leben genießen anstatt zur Schule zu gehen. Dabei gerät Pinocchio in allerlei Abenteuer, die ihn von seinem verzweifelten "Vater" Geppetto fortführen.

    Über das Schicksal der naiven und verspielten Holzkreatur hält die Fee mit dem blauen Haar (Nicoletta Braschi) ihre schützende Hand. Doch sie kann Pinocchio nicht vor dem gerissenen Fuchs und dem betrügerischen Kater bewahren, die ihn ausrauben und an einer Eiche aufhängen. Alle Versuche der Fee, Pinocchio aus seinen Erfahrungen lernen zu lassen, scheitern - bis der Junge aus Holz schließlich im Gefängnis landet. Hier lernt er Docht (Kim Rossi Stuart) kennen, der ihn mit ins Spielzeugland nehmen will. Hin und Her gerissen zwischen den Versuchungen ewiger Freuden und dem Versprechen, endlich ein braver Junge zu werden, kann Pinocchio seinem verspielten Wesen nicht widerstehen und folgt seinem Freund in das Fantasieland.

    Zwischen naiver Einfältigkeit und trauriger Clownerie

    "In Pinocchio stecken Abenteuer, Schmerz, das tobende Leben, Freude, Verzagen, Grausamkeit, Heldentum und die Liebe. Wunderschön! Ich würde Collodi an liebsten einen Strauß Rosen schicken", sagt Regisseur und Hauptdarsteller Benigni über die literarische Vorlage. Mit seinem neuen Werk hat er einen bunten Reigen fantastischer Welten geschaffen. Rund 4000 Quadratmeter Stoff waren für die etwa 1000 Kostüme nötig, die in dem Film zu sehen sind. Der Zuschauer ist beeindruckt von Marionettentheatern, in denen die Menschen an Fäden geführt werden oder von der Feenkutsche, die von hunderten weißer Mäuse durch die Straßen toskanischer Dörfer gezogen wird.

    Als Pinocchio legt Benigni seine Rolle mit Hingabe zwischen naiver Einfältigkeit und trauriger Clownerie an. Dabei spielt er, wie schon in seinen früheren Rollen, mit allen Arten und Unarten der theatralischen Überzeichnung. Der Kameramann Dante Spinotti, bekannt durch Hollywoodproduktionen wie "Heat" oder "L.A. Confidential", schafft eine Bilderwelt, die zwischen Theaterkulisse und episch großem Kino angesiedelt ist. "E la nave va" von Federico Fellini stand Pate für diesen speziellen "Look" des neuen Benigni-Films, und wenn Pinocchio von einem riesigen Haifisch verschluckt wird und im Bauch des Fisches Gepetto begegnet, kriegt der Film gerade noch die Kurve, nicht von der märchenhaften Erzählung in die Groteske abzugleiten.

    Benignis lauter Humor überdröhnt die Poesie wunderschöner Bilder

    Der internationale Star Benigni besetzte bei "Pinocchio" ein rein italienisches Ensemble, das er im Stile der "Commedia dell'Arte" kunstvoll zu führen weiß. "Pinocchio" ist eine liebevolle Verbeugung vor einem Meisterwerk der Weltliteratur, bei dem der Regisseur Benigni die Poesie seiner wunderschönen Bilder jedoch mit seinem lauten Humor immer wieder überschreit.

    Frank Schräder, ddp

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