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  • Kritik: Beeindruckende Vorstellung der jungen Leelee Sobieski

    Es geht weder langweilig noch spießig zu in der Familie des in Paris lebenden Schriftstellers Bill Willis und seiner attraktiven Frau Marcella. Das ist für deren Tochter Channe nicht immer nur toll, sondern manchmal auch beschwerlich, insbesondere als sich ihre Eltern entschließen, den kleinen störrischen Franzosen Benoit zu adoptieren.

    Doch der verwandelt sich mit der Zeit in "Little Billy", aus Channe wird ein reizender Teenager mit all den Problemen, die das mit sich bringt. Es ist "Die Zeit der Jugend", die der amerikanische Regisseur James Ivory in seinem neuen Film zeigt, der ab dem 4. März auf den deutschen Leinwänden zu sehen sein wird.

    Ivory, ein unumstrittener Meister der Literaturverfilmung und weltberühmt seit seinen großen Erfolgen "Ein Zimmer mit Aussicht" und "Howard's End", erreicht nun einen neuen Gipfelpunkt seines gereiften Könnens. Nichts in diesem knapp zweistündigen Streifen mit drei zeitlich auseinanderliegenden Episoden aus dem Familienleben der Willis in den 60er und 70er Jahren ist spektakulär oder gar reißerisch, es geht sogar ausgesprochen undramatisch zu. Gerade das aber macht diese Leinwandadaption des autobiographisch gefärbten Romans von Kaylie Jones "A Soldier's Daughter Never Cries" - übrigens auch der Originaltitel des 110minütigen Films - so sehenswert.

    Die Autorin hat in dem Buch über die Soldatentochter, die nie weint, ihre Jugend als Tochter des berühmten US-Schriftstellers James Jones verarbeitet. Einen europäisch geprägten Regisseur wie Ivory, der weit abseits von Hollywood seine Filme macht, muß es gereizt haben, die Geschichte einer amerikanischen Familie im selbstgewählten Pariser Exil zu entfalten. Und natürlich auch die Rückkehr dieser Menschen an die heimatliche Ostküste, wo zumindest die erwachsen gewordenen Kinder sich als Fremde empfinden und auch entsprechend behandelt werden. Im Mittelpunkt des Films steht dabei immer Tochter Channe, als Kind verkörpert von der süß-eigenwilligen Luisa Conlon.

    Im zweiten, längeren Teil von "Die Zeit der Jugend" übernimmt die Channe-Rolle die erst 16jährige New Yorkerin Leelee Sobieski, eine echte Entdeckung. Das ist keiner der üblichen herausgeputzten Teenager der Filmfabriken, sondern ein junges Mädchen, das mit seinem Wesen und Blicken den Zuschauer am Schicksal der Tochter eines vom Kriegserlebnis tief geprägten Autors zu fesseln weiß. Sobieski, das ist in der Tat erstaunlich, findet auf Anhieb eigene Kontur neben schauspielerischen Schwergewichten wie dem wunderbar knorrigen Kris Kristofferson als Bill Willis und seiner verführerischen Filmehefrau Barbara Hershey.

    Ivorys neues Werk ist wieder in der langjährig bewährten Zusammenarbeit mit seiner britischen Drehbuchautorin Ruth Prawer Jhabvala und dem indischen Produzenten Ismail Merchant entstanden. Dieses Dreierteam gehört zu den außergewöhnlichsten Erscheinungen im internationalen Leinwandgeschäft. Ivory und Prawer sind schon über 70, Merchant wird 63 Jahre alt. "Die Zeit der Jugend" beweist, daß manche Künstler mit der Zeit immer besser werden. Die ruhige Meisterschaft, die diesem stillen, aber höchst präzisen Film eigen ist, ist Frucht einer langen künstlerischen Entwicklung. Es ist ein Glück für etwas anspruchsvollere Kinobesucher, daß es solche Arbeiten noch gibt.

    Wolfgang Hübner, AP

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