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  • Kritik: Barry Levinsons neuer Film "Sleepers" mit Superbesetzung

    Frankfurt/M (AP) "Sleepers" werden Jugendliche genannt, die in amerikanischen Besserungsanstalten eingesperrt werden. Die meist feudalen Gebäude im Grünen sehen aus wie exklusive Privatschulen. Doch hinter den prachtvollen Mauern haben Jugendliche die Hölle erlebt. Der Film "Sleepers" von Barry Levinson ("Rain Man") zeigt den Anstaltshorror von Demütigungen, sexuellem Mißbrauch und Folter, durch den vier Freunde in den 60er Jahren gehen müssen. Jahre später nehmen zwei der Opfer Rache. In ihrem Prozeß erweist sich Gerechtigkeit als Gegensatz zur Wahrheit.

    Die Jungen Michael, John, Tommy und Lorenzo wachsen in den 60er Jahren in dem von Kriminalität und Korruption geprägten irischen Stadtteil Hell's Kitchen auf. Ihr eigentliches Zuhause ist die Straße. Pater Bobby (Robert De Niro) ist ein verständnisvoller, aber auch strenger Ersatzvater. Die unschuldige Kindheit findet an einem Sommertag ein jähes Ende, als die Jungen aus purer Langeweile einem Hot-Dog-Verkäufer einen Streich spielen und mit dessen Wagen einen Passanten lebensgefährlich verletzen.

    Sie müssen für neun bis 18 Monate in die Besserungsanstalt. Dort fallen sie sadistischen Aufsehern in die Hände; der schlimmste ist Sean Nokes, von Kevin Bacon sehr überzeugend als durch und durch gemeinen Kerl gespielt. Als die Jungen entlassen werden, sind sie fürs Leben gezeichnet. Tommy und John geraten auf die schiefe Bahn, werden drogenabhängig und verdienen ihr Geld als bezahlte Killer. Eines Tages entdecken sie ihren früheren Peiniger in einer Bar und erschießen ihn.

    Michael (Brad Pitt), inzwischen Staatsanwalt, faßt mit Lorenzo (Jason Patric), der als Journalist arbeitet, einen wagemutigen Plan. Mit Hilfe alter Freunde aus Hell's Kitchen wollen sie die Freunde rauspauken. Alt-Mafioso King Benny (Vittorio Gassman) engagiert den alkoholabhängigen Winkeladvokaten Danny Snyder (Dustin Hoffman). Zur Schlüsselfigur im Prozeß wird Pater Bobby. Von seiner Aussage hängt alles ab.

    Das Vertrauen in Recht und Gesetz haben nur wenige amerikanische Filme bisher in Frage gestellt. In Erinnerung sind Alfred Hitchcocks "Zeugin der Anklage" (mit Marlene Dietrich) und der Gerichtsthriller "Zwielicht" von 1996 mit Richard Gere als Verteidiger. "Sleepers", der am Donnerstag in die deutschen Kinos kommt, ist, wie Barry Levinson erklärt, "keine Pauschalanklage gegen das amerikanische Strafvollzugssystem". Der Film stelle aber sehr wohl die unkontrollierte Macht in Frage, die Menschen in Jugendgefängnissen, psychiatrischen Anstalten oder Altersheimen besitzen.

    Levinson erzählt die Geschichte nach dem Roman von Lorenzo Carcaterra als vielschichtige Tragödie über Freundschaft, Loyalität und Rache. Gemeinsam mit Kameravirtuose Michael Ballhaus hat er ein düsteres, an die Nieren gehendes Drama inszeniert, das zugleich spannend und aufwühlend ist.

    Die Megastars Robert De Niro und Dustin Hoffman spielen diesmal Nebenrollen, dies aber brillant. De Niro bringt allein mit sparsamer Mimik die ganze Bandbreite seiner Rolle zum Ausdruck: Er ist der ruhende Pol, hartgesotten, mitfühlend, glaubensstark und verständnisvoll. Im Prozeß spiegelt sich jedes Detail des inneren Konflikts des Geistlichen auf seinem Gesicht wider.

    Von AP-Korrespondentin Inge Treichel

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