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  • Kritik: Banalität des Bösen

    Dokumentationen über die Männer an den Machthebeln des Nationalsozialismus gibt es zuhauf. Derart ungewöhnliche wie «Das Goebbels-Experiment» allerdings sind selten. Darin porträtieren die Autoren Lutz Hachmeister, auch Regie, und Michael Kloft Hitlers Propaganda-Minister Joseph Goebbels (1897 1945).

    Das Besondere ist der völlige Verzicht auf einen Kommentar oder die Befragung von Zeitzeugen. Des Teufels Lügenbaron wird allein durch dessen von Udo Samel gelesene Tagebuchaufzeichnungen und seltene historische Filmaufnahmen beleuchtet.

    Die Banalität des Bösen tritt dabei mit frösteln lassender Schärfe zutage. Der Bogen spannt sich von Goebbels Anfängen als so genannter «völkischer Sozialist» bis zu seinem Suizid, zu dem er auch seine Frau und die Kinder verurteilte. Dabei wird klar: Der Meister der Meinungsmanipulation war der erste Vertreter eines Typs, der heutzutage als «Medien-Politiker» gang und gäbe ist. Wesentlich dabei war und ist, dass der Schein als wichtiger betrachtet wurde denn das Sein. Joseph Goebbels machte die Politik endgültig zur Handelsware.

    Als einer der zentralen Protagonisten, das zeigt der Film deutlich, war der «Reichslügenbold», wie er im Volksmund heimlich genannt wurde, einer der Hauptverantwortlichen des mörderischen Regimes im Deutschland der Jahre 1933 bis 1945. Der Film darf als wagemutig bezeichnet werden, lässt er Joseph Goebbels doch scheinbar ungefiltert und unkommentiert zu Wort kommen. Genau darin liegt der Reiz der Dokumentation: Der Verzicht auf offensichtliche Belehrung und vordergründige Distanz. Das mag zunächst als Wagnis erscheinen, könnte dies doch Neonazis dienen, so die Befürchtung von Skeptikern. Eine Befürchtung, die vom Film nicht bestätigt wird.

    Denn selbstverständlich haben die Autoren ihre Verantwortung durch die Auswahl der Tagebuchnotizen wahrgenommen, ihre kluge Art des Filterns und Kommentierens. Das Verdienst des Films: Joseph Goebbels wird in seinen eigenen Worten nicht zur schillernden Kultfigur. Der Mann, der Filmstars dirigierte und Schriftstellern diktierte, der die Köpfe von Millionen vernebelte, wird erkennbar als das, was er wohl vor allem war: Ein engstirniger Spießer.

    dpa

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