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  • Kritik: Autoknacker-Saga mit Nicolas Cage

    "Lieber Gott, kauf mir doch einen Mercedes Benz", flehte einst die Sängerin Janis Joplin ironisch. Im Actionfilm "Nur noch 60 Sekunden" wird ab dem 17. August gezeigt, wie sich dieser Wunsch auch realisieren lässt: Man stiehlt sich einen. Oder auch, je nach Geschmack, einen Porsche, einen Mustang, oder einen Austin Martin. Wie das gemacht wird, machen Memphis und seine legendäre Autoknacker-Bande zwei Kinostunden lang vor.

    Hier werden nicht kleine Golfs gestohlen und in den Osten verschoben. Ein Team von autophilen Feinschmeckern knackt in den Nobelvierteln von L.A. nur die rasantesten und teuersten Karossen.

    Was wie Stress aussieht, ist in Wirklichkeit die reinste Wolllust: es sind Junkies, die von schönem, schnellem Blech nicht genug bekommen können. Zumindest wer Oldtimer mag, kommt in diesem Actionfilm einigermaßen auf seine Kosten. Ironisch ist das alles aber nicht gemeint, und auch nicht der kleinste Witz über PS- verliebte Männer und ihre Potenzkutschen findet in dem Film ein Plätzchen. Im Gegenteil, es wird sogar noch etwas draufgepackt: Alle Autos, die Memphis und seine Gang klauen müssen, haben Frauennamen.

    Ist diese Haltung schon von geradezu entwaffnender Primitivität, so wird sie durch die total sinnentleerte Handlung noch übertroffen, die rund um die röhrenden Motoren konstruiert ist. Memphis ist ein berüchtigter Autodieb, der seine kriminelle Karriere längst beendet hat. Sein Bruder Kip jedoch, der weiterhin in der Branche arbeitet, hat einen Auftrag gründlich vermasselt und dabei seinem Chef Calitri das Geschäft verdorben. Calitri nimmt Kip in die Zange und erpresst Bruder Memphis dazu, binnen 72 Stunden 50 Luxuskarossen zu beschaffen. Memphis trommelt seine alten Gefährten zusammen und macht sich ans Werk.

    Es bleibt schleierhaft, wieso er mit seinen wenig zimperlichen Mannen nicht einfach seinen Bruder befreit. Immer wenn etwas passieren soll, regnet es schnelle Schnitte, und eine Wackel-Kamera erzeugt Hektik. Dazu donnert laute Musik. Unglücklicherweise aber gibt es im Autoknackerhandwerk nicht viel Anlass zu Action, weil die Sache doch eher leise vor sich zu gehen pflegt. Deshalb müssen zwei Polizisten und eine schwarze Gang für zusätzliche Spannung sorgen. Eine Menge Darsteller tummeln sich mehr oder weniger unmotiviert in den düsteren Hallen, nächtlichen Straßen und schmierigen Kneipen.

    Bis endlich das große Finale einsetzt, heult die künstlich aufgemotzte Handlung oft genug im Leerlauf. Zur Entschädigung gibt es am Schluss eine 20minütige, atemberaubende Verfolgungsjagd mit einem wunderschönen 1967er Shelby Mustang als Hauptdarsteller. Die menschlichen Darsteller sind dagegen sträflich unterfordert. Angelina Jolie, auf Filmplakaten groß angekündigt, ist lediglich die sexy Petersilie auf dem Braten. Ihre Auftritte fielen wohl meist dem Schneidetisch zum Opfer. Robert Duvall als Werkstattbesitzer und als väterlicher Freund von Memphis wirkt erstaunlich tattrig.

    Bösewicht Calitri wird von Engländer Christopher Eccleston gespielt, spricht mit englischen Akzent und ist in der Klischeewelt des Films also ein Psychopath. Nicolas Cage als Memphis, die Gage fest im Blick, zeigt sein ausdruckslosestes Gesicht und ist im übrigen mit seinen mal wehleidigen, mal machohaften Posen in Leder fast eine Karikatur. Lauter, dümmer und kopfwehträchtiger war bisher kein Actionfilm, in dem Oscargewinner Cage mitgespielt hat. Immer nach dem Motto: ist der Ruf erst ruiniert, dreht es sich gänzlich ungeniert.

    Birgit Roschy, AP

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