40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Ausgezeichneter Film zum Lachen und Weinen
  • Kritik: Ausgezeichneter Film zum Lachen und Weinen

    "Das Leben ist schön" ist ein herzergreifender, tragikomischer Film über den Triumph der Liebe über die schlimmsten Grausamkeiten, die Menschen einander angetan haben. Er spielt an einem Ort, der für Komödien bisher tabu schien, einem KZ.

    Regisseur und Hauptdarsteller Roberto Benigni ist damit ein Risiko eingegangen, und es hat sich für ihn und die Zuschauer gelohnt. Der Film ist ein Riesenerfolg in Italien; am Donnerstag, 12. November, kommt er auch in die deutschen Kinos.

    Die Geschichte beginnt als unbeschwertes, romantisches Märchen über einen spaßigen jungen Mann, der 1939 mit seinem Freund Feruccio aus dem Dorf in der Toscana in die Stadt Arezzo zieht. Dort lernt Guido seine "Prinzessin" kennen, indem er auf sie drauf fällt. Die Lehrerin Dora, gespielt von Benigis Ehefrau Nicoletta Braschi, ist allerdings bereits mit einem ebenso einflußreichen wie langweiligen faschistischen Bürokraten liiert.

    Guido gibt sich, um Dora zu treffen, als Gastlehrer für einen Vortrag über Rassenlehre aus und führt die Theorie der Überlegenheit der weißen Rasse an sich selbst ad absurdum. Währenddessen zanken sich zwei ungezogene Zwillingskinder um einen Ball: Benito und Adolf.

    Der verliebte Guido hat nur Augen für seine "Prinzessin". Immer wieder taucht er unermutet vor ihr auf und bezaubert sie mit seinen slapstickhaften Einfällen. Die Gelegenheit, sie ganz zu erobern, bietet sich bei der Verlobungsfeier in dem Hotel, wo Guido als Kellner arbeitet. Er entführt die Braut, und danach scheint die Zeit stillzustehen.

    Von einer Szene auf die nächste sind ein paar Jahre vergangen; Guido hat sich auch seinen beruflichen Lebenstraum erfüllt und führt einen eigenen Buchladen. Wenn er mit seinem vierjährigen Sohn Giosue durch die Straßen geht, sind jedoch die Anzeichen für die schreckliche Zukunft unverkennbar. Auf Schildern ist Hunden und Juden der Zutritt zu Geschäften verboten. Guido ist Jude. Er erklärt dem Kind, man könne jeden, den man nicht ausstehen kann, den Zutritt verbieten - zum Beispiel den Spinnen und Westgoten.

    Eines Tages werden er und der Junge deportiert. Dora, die nicht jüdisch ist, kann nicht anders, als ihnen freiwillig ins Konzentrationslager zu folgen. Guido ist entschlossen, das Kind vor dem Schrecken der Realität zu schützen. Er überzeugt den Kleinen, daß dies alles nur ein großes Spiel ist, bei dem der Hauptgewinn ein richtiger Panzer ist. Ein ums andere Mal droht alles aufzufliegen - etwa wenn er den ausgehungerten Giosue zum Essen in eine Kinderrunde der deutschen Lagerleitung schmuggelt.

    Die phantastischen Einfälle, die Guido früher so spielerisch leicht gelangen, schafft der Gefangene mit Häftlingskleidung nur noch mit äußerster Anstrengung. Das mitanzusehen, ist erschütternd und berührt am stärksten, wenn er sogar auf dem Weg zur drohenden Erschießung für seinen kleinen Sohn den Clown mit parodiehaftem Marschierschritt mimt. Giosue scheint mit tiefernstem Blick aus den dunklen Augen mehr zu verstehen, als der Vater denkt.

    Benigni zeigt die Lächerlichkeit, aber auch die Gefährlichkeit der bulligen, Befehle bellenden KZ-Soldaten und das perfide Wegsehen des rätselbesessenen KZ-Arztes Dr. Lessing, eindrucksvoll gespielt von Horst Buchholz. Der Vorwurf, der Film stelle die historische Wirklichkeit in den KZ nicht dar, trifft nicht. "Man darf dort nichts Realistisches suchen", erklärte Benigni. Was man findet - Momente zum Lachen und zum Weinen, Spielereien über Wahrheit und Lüge mit moralischer Botschaft - sind die besten Gründe, die für einen Film sprechen.

    Der Regisseur hat für "Das Leben ist schön" bei den Filmfestspielen in Cannes im Mai den Großen Preis der Jury bekommen. Noch wichtiger schien ihm die Auszeichnung beim Filmfestival in Jerusalem. Sie bedeute ihm so viel wie ein Oscar, sagte er in einem Fernsehinterview. Er fügte hinzu: "Ich liebe diesen Film." Das werden sicher auch viele deutsche Kinobesucher sagen.

    Inge Treichel, AP

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Fabian Strunk

    Tel.: 0261 / 892 267

    Kontakt per E-Mail

     

     

    Fragen zum Abo: 0261 / 98 36 2000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    • Lokalticker
    • Regionalsport
    • Newsticker
    Das Wetter in der Region
    Mittwoch

    -2°C - 2°C
    Donnerstag

    3°C - 6°C
    Freitag

    4°C - 8°C
    Samstag

    6°C - 9°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!