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  • Kritik: Augsburger Puppenkiste kommt jetzt ins Kino

    Frankfurt/M (AP) Ein Jahr vor ihrem 50. Bestehen will die Augsburger Puppenkiste zum ersten Mal die Kinos erobern, und zwar gleich weltweit. Dazu hat das große amerikanische Filmunternehmen Warner Bros. das Projekt der bayerischen Marionettenbühne als Koproduzent und Verleihfirma unter die Fittiche genommen. "Die Story von Monty Spinnerratz", die am Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft, handelt von einem sympathischen Rattenvolk in New York, das der Immobilienspekulant Mr. Dollart (Josef Ostendorf) vergiften will.

    Die Ratten sind der Großstadt sehr nützlich. Sie verhindern, daß Manhattan im Treibgut und Müll erstickt und mit ihm die magische Heilpflanze Sambucina. Doch Mr. Dollart denkt nur an seinen Profit und will in den stillgelegten Hafenanlagen ein riesiges Parkhaus errichten.

    Monty Spinnerratz, der Titelheld des Films, ist ein freundlich-verträumter Rattenjunge, der kunstvoll Treibgut aus dem New Yorker Hafen bemalt. Packratten wie Arnie Packratz (Stimme: Martin Semmelrogge) verachten ihn deshalb als Spinner. Doch das ändert sich, als er eines Tages in der Park Avenue heldenhaft die Präsidententochter Isabella Nobelratz (Carmen Plate) vor dem Ertrinken rettet.

    Der Immobilienhai läßt sein tödliches Gift von riesigen Tankwagen versprühen. Vor dem "Großen Rattenrat" verkündet der Präsident Hugo Nobelratz (Wolfgang Völz) die Aktion Rettung der Ratten. Weil Menschen nur die Sprache des Geldes verstünden, sollten die Ratten Dollart die Hafenpiers abhandeln. Um Geld aufzutreiben, bieten sie der Galeristin Mrs. Jellybelly (dargestellt von Lauren Hutton) geheimnisvolle, alte mexikanische Muscheln zum Kauf an. Zu spät merken die bedrohten Rattenfamilien, daß sie die Muscheln brauchen, um die magische Pflanze Sambucina zu finden, die allein alle "unnützen Lebewesen" vor dem Gift der Menschen schützt.

    In der abenteuerlichen Geschichte, die auf dem Kinderbuch "A Rat's Tale" des New Yorker Autors Tor Seidler beruht, benehmen sich die Ratten ziemlich menschlich: Die Präsidentenfamilie Nobelratz verbietet Monty den nicht standesgemäßen Umgang mit ihrer Tochter Isabella, worauf den netten Jungen prompt Liebeskummer überfällt. Der Präsident, durch und durch Klischeepolitiker, hält großspurige Reden, die vor Plattheiten strotzen.

    Die rasterhafte Charakterisierung der Figuren ist aber ganz und gar kein Nachteil des Films. Es macht schon Spaß, die Namen der Rattenrollen zu lesen: Da gibt es Kanaligator Charon, Rudi Raffratz, Erwin Geizratz oder die Indioratte Venceremos. Als leibhaftige Menschen sind neben Josef Ostendorf und Lauren Hutton unter anderen Beverly D'Angelo als Mrs. Dollart und Jerry Stiller als Professor Plumpingham zu sehen. Daß die Schauspieler im Gegensatz zu den Puppen grotesk und übertrieben wirken, war dramaturgisch beabsichtigt.

    Die Inhaberin der Augsburger Puppenkiste, Hannelore Marschall-Oehmichen, hat für den Kinofilm rund 100 neue Figuren entworfen. Sie hängen, wie gewohnt, an sichtbaren Zwirnfäden. Diese handgemachte Kunstform kontrastiert mit aufwendigen Digitaleffekten. Die Trickszenen stellte die Wiesbadener Firma Upstart her. Dabei mußten Real- und computeranimierte Szenen kombiniert werden. Regisseur Michael Huse und die Produzenten wollten den Zauber der Augsburger Puppenkiste erhalten, entschieden sich aber für echtes Wasser und damit gegen die berühmte Plastikfolie.

    "Der Film selbst ist ein deutsches Projekt", erklärt der Chef von Warner Bros. Deutschland, Willi Geike. Das Unternehmen beteilige sich als Koproduzent, weil es im Genre Familienunterhaltung die besten Chancen für den deutschen Film sehe, international erfolgreich zu sein. "Die letzten Versuche haben gezeigt, wie schwer es ist, deutsche Komödien oder Krimis international auszuwerten", sagt Geike. "Puppen- oder Zeichentrickfilme haben auf dem Weltmarkt eher eine Chance als die sogenannten Realfilme." Dafür mußten die Produzenten aber auch fast doppelt so viel investieren wie in einen "normalen" deutschen Spielfilm.

    Von AP-Korrespondentin Inge Treichel

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