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  • Kritik: Aufregend und lebensnah

    Es rührt sich etwas in Hogwarts. Die Pubertät hat vor der Schule für Hexerei und Zauberei nicht Halt gemacht. Harry Potter schmerzt die Zickzack-Narbe. Er hat Angst wie noch nie. Doch er weiß nicht so recht, wofür er mehr Mut braucht - dem grässlichen Lord Voldemort in den Arm zu fallen oder die mandeläugige Cho Chang in den Arm zu nehmen.

    «Der Film ist schon gruselig», hat der kleine Luke Nikolic kürzlich Reportern in London gesagt. «Aber das war ganz toll.» Der Junge gehörte mit seinen Eltern zu jenen, die «Harry Potter und der Feuerkelch» schon bei der Weltpremiere anschauen durften. «Meine beste Stelle war die, wo er den Drachen fertig macht.»

    Klar, die «Stelle» ist klasse. Und sie ist längst nicht die einzige, bei der «Potter IV» aufregende Spezialeffekte bietet. Andere interessante Momente sind dem kleinen Luke aber nicht so sehr ins Auge gefallen. Das ist kein Wunder, denn er ist erst vier Jahre alt.

    Das Raunen im Saal war eindeutig aus älteren Kehlen gekommen. Oho, das gab es doch bisher in keinem Potter-Film: Wie sie da herein schreiten, diese langbeinigen Jungdamen von der Beauxbatons-Zauberakademie. Begehrenswert in ihren Kleidern aus fließendem Stoff im unschuldigen Hellblau der Vereinten Nationen.

    So etwas kann Mike Newell. Mit federleichten Strichen kann der britische Regisseur Bilder voller versteckter Erotik herbeizaubern, ohne auch nur eine Spur von Vulgarität. Das hat er schon 1993 mit seiner knisternden Komödie «Vier Hochzeiten und ein Todesfall» gezeigt. Seit seinem Mafia-Krimi «Donnie Brasco» (1996) weiß die Filmwelt, dass Newell auch harte Thriller inszenieren kann. Im Horror-Fach bewährte er sich 1979 mit dem Mumien-Schocker «Das Erwachen der Sphinx».

    «Harry Potter und der Feuerkelch» hat von allem etwas: Action, Horror, Thriller, Erotik, Fantasie und Liebe. Nur ein reiner Kinderfilm ist «Potter IV» nicht. Jedenfalls keiner «für die ganz, ganz kleinen Kinder», wie Emma Watson alias Zauberschülerin Hermine befand. Dass die Altersfreigabe für einen «Potter» zum ersten Mal in Großbritannien ab 12 Jahren erfolgte, findet die fast 15-Jährige richtig. «Auch ich bekam Angst.»

    Dabei ist der vierte «Potter»-Film eigentlich kaum Furcht erregender als der erste - «Harry Potter und der Stein der Weisen» aus dem Jahr 2001, der für Sechsjährige frei gegeben war. Immerhin erschlug da ein Monster um ein Haar die entzückende Hermine mit seiner Keule auf dem Hogwarts-Mädchenklo. Und ein Professor entpuppte sich als Leihkörper für Lord Voldemort, den Mörder der Eltern von Harry.

    So viel aufregender wirken die Kämpfe in Teil Vier, aus denen Harry bei einem Trimagischen Turnier auf Hogwarts knapp, aber erwartungsgemäß als Sieger hervorgeht, nun auch nicht. Es geschieht zwar ein Mord auf Hogwarts, aber den hat Regisseur Newell mit unnatürlichem Licht umgeben, und selbst das Blut wirkt irgendwie nicht wirklich blutig.

    Atemberaubend sind Harrys neue Abenteuer: sein Luftkampf mit dem Feuer speienden Drachen, seine Unterwasserschlacht mit Dämonen, sein Ringen mit Würgepflanzen im Gartenlabyrinth, und besonders sein Kampf auf einem düsteren Friedhof mit dem plattnasigen Voldemort, herrlich gespielt von Ralph Fiennes.

    Doch all das ist nichts gegen den humorvoll und mit gebotener Zurückhaltung in Szene gesetzten pubertären Angstschweiß auf Harrys Stirn, als er die reizende Cho Chang darum bittet, seine Tanzpartnerin beim Hogwarts-Weihnachtsball zu sein. Es kann nur gut sein für das Selbst- und Realitätsbewusstsein heranwachsender Potter-Fans, wenn sie erleben, dass nicht alle Probleme mit einem Zauberstab zu lösen sind.

    dpa

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