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  • Kritik: Auf der Flucht im Computerspiel

    In "Matrix" erkennt Keanu Reeves, dass die Welt eine Computersimulation ist. "eXistenZ" von David Cronenberg zeigt unsere Realität als interaktives Spiel. Der satirische Science- Fiction-Film des exzentrischen kanadischen Regisseurs ("Die Fliege", "Crash") wurde im Februar dieses Jahres im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele in Berlin vorgestellt. Am kommenden Donnerstag kommt das Werk bundesweit in die Kinos.

    Kein Computer, kein Bildschirm, keine handelsübliche Steckdose weit und breit, und doch ist "eXistenZ" eine Art Computerspiel. Entwickelt hat es Allegra Geller (Jennifer Jason Leigh). Die Game- Konsole besteht aus biologischer Materie und wird durch ein Kabel, das an eine Nabelschnur erinnert, mit dem Spieler verbunden. Voraussetzung dafür ist, dass er über einen so genannten Bioport verfügt - einen Stecker, der am unteren Ende der Wirbelsäule implantiert wird. Via Nervensystem kommt damit der Zugang zum Gehirn zu Stande. Das Spiel findet im Kopf statt. Der Mensch lässt sich in eine Fantasiewelt hineinfallen.

    Von Spiele-Fans und Spielsüchtigen wird Erfinderin Allegra wie ein Pop-Star verehrt. Fanatischen Realisten dagegen ist das Abtauchen ins Fantasy-Spiel ein Dorn im Auge. Bei einer Testvorführung des Computerspiels schießt einer dieser Anti-"eXistenZ"-ialisten auf Geller und verletzt ihre Spielkonsole. Die militante Gruppe hat - wie im Fall des Schriftstellers Salman Rushdie - eine Fatwa ausgerufen und fünf Millionen Dollar auf den Kopf der Designerin ausgesetzt. Allegra flüchtet zusammen mit ihrem Leibwächter Ted Pikul (Jude Law) in ihr Spiel, doch auch dort werden sie verfolgt. Zu ihren schlechten Erfahrungen im Kosmos von "eXistenZ" gehört das Zusammentreffen mit dem zwielichtigen Tankstellenbetreiber Gas (Willem Dafoe), Hilfe finden sie bei Kiri Vinokur (Ian Holm), einem Experten für Computerspiele.

    Cronenberg zieht seine Zuschauer in eine bizarre, dunkle und labyrinthische Welt hinein, in der für metallisch glänzende High- Tech-Sterilität kein Platz ist. Der Mensch verschmilzt mit der Technologie, eine Maschine aus Fleisch ist kein Widerspruch in sich, und so gibt es bei Cronenberg sogar in der virtuellen Realität Schleim, Blut und erotische Metaphern. In der Vision von der Zukunft elektronischer Unterhaltung, die Cronenberg in seinem Drehbuch entwirft, verschwimmen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fantasie. Allegra Gellers neuartiges ultimatives Spiel muss man spielen, um herauszufinden, warum man es spielt. Ebenso verhält es sich mit dem Film: Erst in den letzten Minuten von "eXistenZ" durchschaut der Kinogänger das Spiel des Regisseurs.

    Silke Weiss, dpa

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