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  • Kritik: Auf den Spuren von "Trainspotting":

    Hamburg (dpa) - Wenn die Zwillinge Julian und Jeremy das walisische Küstenstädtchen Swansea aufmischen und in "Twin Town" mit rasantem Tempo über die Grenzen des guten Geschmacks hinwegfegen, kommt der Vergleich zum Vorjahres-Kultfilm "Trainspotting" nicht von ungefähr. Dessen britische Macher Danny Boyle und Andrew Macdonald hatten auch bei dem schrägen Spielfilmdebüt ihres Landsmannes Kevin Allen im Hintergrund die Fäden in der Hand.

    Als ausführende Produzenten brachten sie die Story über das desolate Leben in der "pretty shitty city" - der hübsch beschissenen Stadt - auf die Leinwand. In deutschen Kinos läuft der Film, der im Berlinale- Wettbewerb für Aufsehen sorgte, am nächsten Donnerstag an.

    "Es ist eine ätzende Liebeserklärung an meine Stadt, und es ist ein Stück Jugendkultur, so wie ich sie kennengelernt habe", sagt Kevin Allen in einem dpa-Interview. Freundlich plaudert der Endzwanziger mit adrettem Kurzhaarschnitt, und wenn er bekennt, die Geschichte habe viel mit seinen eigenen Wurzeln zu tun, so mag man ihm das kaum glauben. "Ich möchte nicht moralisieren, doch die Leute, die ich zeige, sind wirklich die Verlierer der Gesellschaft. Aber sie versuchen, mit ihrem Leben irgendwie klarzukommen."

    Unvorbereitete Kinogänger dürften sich dennoch besser in ihren Sesseln anschnallen, denn neben dem Tempo der Story ist auch der abgründig schwarze Humor nicht ohne. Eine krause Familiengeschichte ohne Familie wird da erzählt. Nachdem der elterliche Wohnwagen der Lewis-Zwillinge (gespielt vom Bruderpaar Llyr Evans und Rhys Ifans) von korrupten Polizisten mitsamt seinen Insassen in die Luft gesprengt worden ist, muß das seltsame Duo allein durchs Leben rudern. Und die Rache, die sie für den gewaltsamen Tod ihrer Familie nehmen, fällt furchtbar aus: Sogar der ondulierte Pudel der properen Polizisten-Gattin muß sein Leben - und sein Köpfchen - dafür lassen.

    Tierfreunde sollten sich also wappnen. Und auch in anderen Situationen befremdet die Radikalität, mit denen die Brüder die trostlose Stadt unsicher machen, die der walisische Dichter Dylan Thomas einst als "Friedhof aller Ambitionen" bezeichnete. Kein Rauscherlebnis lassen die beiden aus, schnüffeln Klebstoff und vieles mehr, aber dennoch scheinen sie dem Leben immer ein Stück hinterherzuhecheln.

    Aufgemotzt mit viel Britpop, aber auch Oldies von Petula Clark, wetzt "Twin Town" die gleiche Scharte wie "Trainspotting" - und dürfte auch viele von dessen Fans überzeugen. Aber: Wo der Junkie- Streifen echtes Interesse für seine Protagonisten erzeugen konnte, bleibt "Twin Town" an der Oberfläche. Die wie Autisten agierenden Brüder treiben die Story zwar vordergründig voran, sie selber erscheinen aber völlig leblos, keinerlei Einblicke in ihr Inneres sind erlaubt. Sollte Allen tatsächlich derart gefühlsamputierte Kumpels gehabt haben, wäre er nicht zu beneiden - und Swansea in der Tat eine "pretty shitty city".

    Von Andrea Barthelemy, dpa

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