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  • Kritik: Arthur Miller hat sein Theaterstück "Hexenjagd" für die Leinwand bearbeitet

    Berlin (AP) Arthur Millers "Hexenjagd" zählt zweifellos zu den Klassikern des modernen Polittheaters. 1953 hatte der amerikanische Autor mit dem Stück auf die Kommunistenhysterie der McCarthy-Ära reagiert. Eine Hollywoodverfilmung der Geschichte über die Hexenverfolgungen im späten 17. Jahrhundert war damals aufgrund der politischen Brisanz des Stoffes undenkbar. Erst mehr als 40 Jahre nach der Bühnen-Premiere erhielt Miller das Angebot, sein Stück für das Kino zu bearbeiten. Das Ergebnis, vom 20. Februar an auch in Deutschland zu sehen, ist ernüchternd: Auf der Leinwand wird die packende Polit-Parabel Millers zum langatmigen Kostümstreifen.

    Der Film erzählt die Geschichte des Dorfes Salem im puritanischen Bundesstaat Massachussets. 1692 bricht unter den gottesfürchtigen Bewohnern der Hexenwahn aus. Auslöser ist ein harmloser Mummenschanz: Die Mädchen des Dorfes werden nachts im Wald beim Tanz um ein Lagerfeuer vom Dorf-Pfarrer erwischt. Zwei von ihnen fallen daraufhin in Schockstarre. Die Ärzte sind hilflos, die Dorfbewohner aufgebracht, der Pfarrer erkennt sofort: Der Teufel hat seine Hand im Spiel.

    Die Massenhysterie führt zu einer Welle von Denunziationen. Zunächst aus Angst, dann aus Rache und Eifersucht werden Dutzende von Dorfbewohnern der Hexerei angeklagt. Das einberufene Gericht reagiert mit Willkür: 19 Menschen werden zum Tod am Strang verurteilt, fünf weitere sterben in den Kerkern von Salem.

    Regisseur Nicholas Hytner konnte die Hauptrollen hochkarätigt besetzen: Winona Ryder tritt als gnadenlose Chef-Denunziantin Abigail Williams auf, Oscar-Preisträger Daniel Day-Lewis überzeugt als Märtyrer John Procter und Paul Scofield gibt den hoffnungslos überforderten Richter Danforth.

    Im Mittelpunkt der Inszenierung des Miller-Stückes steht die Liebe zum historischen Detail. In einem Naturschutzgebiet bei Boston ließ Hytner das Dorf Salem originalgetreu nachbauen. 700 Kostüme wurden eigens für den Film geschneidert und auch die Maskenbildner leisteten einen bemerkenswerten Beitrag zur Authentizität des Films.

    Doch so ehrenwert der Drang zum Realismus auch sein mag, das Wesentliche bleibt dabei auf der Strecke: Spannung und Dramatik kommen zu kurz. Das Kreischen der angeblich vom Teufel besessenen Dorfjugend wirkt eher komisch als dämonisch. Angst und Schrecken gehen nicht unter die Haut sondern bleiben an der Oberfläche.

    "Ich habe immer darauf vertraut, daß diese Geschichte in fast jede Zeit übertragen werden kann", hatte Miller kürzlich in einem Interview die Neuauflage seines Stückes begründet. Und auch Hytner wird nicht müde die "universelle Wahrhaftigkeit" Stoffes zu betonen. Religiöser Fundamentalismus sei heute so gefährlich wie vor 300 Jahren, betont der Regisseur. Den Symbolchrakter der Geschichte über das kollektive Böse auf die Leinwand zu projizieren, gelingt ihm jedoch nicht.

    In Amerika wurde Hexenjagd bereits zum Flop. In elf Wochen spielte der Kostümstreifen lediglich ein Viertel der Produktionskosten von 25 Millionen Dollar ein. "Es hat in Amerika immer Widerstand gegen diese Art Stoff gegeben", begründet Hynter die schlechten Ergebnisse im Ursprungsland des Films. "Ich glaube, daß wir in Europa besser abschneiden werden".

    Von AP-Mitarbeiter Michael Fischer

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