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  • Kritik: Armin Mueller-Stahl als Hauptdarsteller in "Gespräch mit dem Biest"

    Frankfurt/M (AP) Kann das gutgehen? Ein liebenswürdiger charmanter älterer Herr mit treuen Augen spielt in der Politsatire "Gespräch mit dem Biest" Hitler, den größten Verbrecher der Weltgeschichte. Nicht als faschistisches Schreckgespenst hat Armin Mueller-Stahl seine Rolle angelegt, sondern als die eines senilen kränkelnden Greises. Dieser ist zwar noch unberechenbar und boshaft, aber zugleich ob seines hohen Alters ebenso zahnlos und hilflos wie ein kleines Kind.

    Als "verzweifelten Versuch, diesen Kerl (Hitler) loszuwerden" beschreibt Mueller-Stahl seine Beweggründe für den in den Babelsberger Studios bei Berlin gedrehten Film, mit dem der 66jährige sein spätes Regisseurdebüt nach einem selbstverfassten Drehbuch gibt.

    Sein Leben lang sah er sich, so bekennt Mueller-Stahl, von dem Phänomen Hitler verfolgt. Auf allen Stationen seiner langen Karriere mußte er in Filmen spielen, die in der Nazi-Zeit spielten oder doch mit deren Folgen beschäftigt waren. Mit dieser politischen Satire will der gerade erst für seine Nebenrolle in dem australische Film "Shine" mit einer Oscar-Nominierung bedachte Darsteller den Hauptverantwortlichen für den Mord an Millionen Menschen demontieren und mit ihm abrechnen.

    "Gespräch mit dem Biest" ist ein Wechselspiel zwischen Fiktion und Wirklichkeit. In der Filmfiktion, die in der Gegenwart spielt, interviewt Robert Balaban in der Rolle des amerikanischen Historikers Arnold Webster den von Müller-Stahl verkörperten Greis, der vorgibt Hitler zu sein. Zehn Tage lang antwortet er in einer Kellerwohnung am Berliner Kudamm auf die bohrenden Fragen des Wissenschaftlers. Dort lebt er mit seiner von Katharina Böhm souverän gespielten zweiten Frau Hortense.

    Webster will herausfinden, ob er einen schlichten Angeber vor sich hat, oder ob die Geschichte stimmt, die ihm sein Gegenüber auftischt. Danach soll nicht Hitler, sondern ein Doppelgänger namens Kronstaedt in den letzten Kriegstagen Selbstmord verübt haben. Hitler habe dann die Identität dieses Doppelgängers angenommen, und nun kämpft er darum, als "der Führer" anerkannt zu werden.

    Hortense läßt im Zusammenleben mit Hitler/Kronstaedt, der sich wie ein ungezogenes Kind aufführt, Nachsicht und Toleranz walten. Sie führt die Regie in seinem Alltag; sie bestimmt, wann er seine Pillen einzunehmen hat und wenn das Interview unterbrochen wird; und mag er noch so meckern, er hat sich der resoluten Frau zu fügen. Unverkennbar ist Mueller-Stahls Bemühen, die Hitler-Figur ins Lächerliche zu ziehen und ihn dem Spott der Zuschauer auszusetzen.

    Um die These von der Doppelgängerschaft zu untermauern, erzählt er Webster von seiner Hochzeitsfeier mit Hortense. Der Film zeigt in einer Art Rückblende, wie die überlebenden fünf Hitler-Doppelgänger, die unter anderen von Harald Juhnke und Otto Sander gespielt werden, an der Hochzeitstafel absurde Mätzchen veranstalten. Schließlich ist Webster davon überzeugt, daß er tatsächlich Hitler und nicht Kronstaedt vor sich hat. Die letzte Einstellung zeigt, wie der Interviewer, der sich als Jude zu erkennen gibt, seinen Gesprächspartner erschießt - was dieser übrigens als Erlösung empfindet.

    Der Film bleibt hinter dem Bemühen zurück, Hitler dem Spott preiszugeben, wie dies Charlie Chaplin in "Der Große Diktator" vorgemacht hat. Die Figur ist dafür zu sehr dem Grotesken und der Clownerie verhaftet. Die an Slapstick und Komödie erinnernden Elemente des Films überzeugen nicht. Dem Betrachter fällt weniger die lächerliche Gestalt eines greisen Diktators ins Auge als die sympathisch-amüsante Person des Darstellers Mueller-Stahl.

    Von AP-Korrespondent Axel Bieber

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