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  • Kritik: Apokalyptisches Ozean-Spektakel voller Widersprüche: Kevin Costners "Waterworld"

    "Ich möchte Filme machen mit Bildern", postulierte Kevin Costner in Berlin, "die man nie mehr vergißt." Drei Wochen sind seit der Vorpremiere von "Waterworld" verstrichen und immerhin, eine ganze Reihe seiner Bilder sind der schnellen Löschung im Kurzzeitgedächtnis entgangen.

    Der Anfang zum Beispiel, wenn sich wie vor jedem Universal-Film die Weltkugel dreht, die Kamera aber diesmal auf die Erde zufährt, in die Atmosphäre eintaucht und plötzlich aufs weite Meer herunterblickt. Eine atemberaubend elegante Einführung, die alles auf den Punkt bringt: Die Eiskappen an den Polen sind geschmolzen, haben jeden Fuß trockenen Bodens überschwemmt, und die Menschheit ist in die Boote geflüchtet.

    Städte existieren nur noch als Stahlgerippe auf dem Meeresgrund (eine weitere eindrucksvolle Sequenz in geisterhaft fahlem Blau), und die Überlebenden vegetieren auf künstlichen Atollen, geplagt von Durst und vagabundierenden Piraten, die sich von Flugzeugen mit Wasser-Skis auf Rampen ziehen lassen und dann wie der Leibhaftige über die Köpfe der Verteidiger in die Festung segeln.

    "Waterworld" hat Spaß daran, solch aberwitzig komplizierte Bewegungsabläufe erst zu erfinden und dann zu zelebrieren. Minutenlang zirkelt ein Flugzeug um den Mast von Costners Trimaran, denn es zappelt an der Leine einer auf es abgefeuerten Walharpune. Oder das kleine Mädchen, der von allen gejagte Schlüssel zum gelobten, zum trockenen Land: Hilflos treibt es im Ozean, von allen Seiten preschen die Piraten heran - und plötzlich schwebt der Retter am elastischen Bungee-Seil heran und reißt die Kleine aus den Wogen.

    Das ist spektakulär, das kann nur Kino, das bleibt auf der Netzhaut kleben. Aber es ist nicht hinreichend für 130 Minuten und 200 Millionen Dollar. Hinter dem Blendwerk verbirgt sich ein Haufen Ungereimtheiten, Widersprüche und loser Enden.

    Daß die Piraten ("Smoker" genannt) ständig Glimmstengel zwischen den Fingern zwirbeln, wo es doch kein trockenes Fleckchen auf dem blauen Planeten mehr gibt, könnte noch durchgehen; Schurken paffen halt, das ist bekannt. Wesentlich schlimmer ist, daß einen die zentrale Figur, Kevin Costners "Mariner", völlig kalt läßt.

    Einen Menschenfeind wollte der Star kreieren, einen, der sich nicht nur stachelig gibt, sondern wirklich sticht, wenn man ihm zu nahe kommt. Konsequenterweise verschmäht er (auch nach Wochen allein auf dem Meer) die willige Frau und wirft deren vorlaute Göre ins Wasser, obwohl sie nicht schwimmen kann.

    Doch den Unsympathen hält Costner nicht lange durch. Bald entpuppt er sich doch als der bärbeißige Opa, der sogar Schwimmunterricht erteilt. Nicht viel später taucht er mit der Willigen ab zum ausgedehnten Unterwasserkuß; mittels geschickt hinter die Ohren designten Kiemen versorgt er sie zusätzlich mit Mund-zu-Mund-Beatmung.

    Ständig wirft der Film uns Zuschauern interessante Happen hin und zieht sie wieder weg, bevor wir sie probieren können. So weist Oberschurke Dennis Hopper seine Kohorten an, "die Traktorenrennen abzublasen". Im ganzen Film kommt kein einziger Traktor vor. Oder Costner babbelt eine Weile Humbug, um uns dann mit dem schlichten Satz abzufertigen, er habe "Portu-Griechisch" geredet. Zu alledem verfällt "Waterworld" zunehmend in Stilbrüche. Zwei Drittel lang gebärdet es sich als eine Art "Mad Max auf dem Wasser", grell, grimmig, endzeitlich-hoffnungslos. Dann gestattet es sich Scherze (die Rostlaube der Smoker heißt "Exxon Valdez" wie der Öltanker vor Alaska) und letztendlich sogar das permanent für unmöglich deklarierte Happy-End: Aus dem Nichts erscheint ein grünes Paradies mit Pferden und Wäldern.

    Daß Kevin Costner am Schluß auf seinem Trimaran mit ein paar Blumentöpfen als einzigen Begleitern Kurs zum Horizont nimmt, rettet die Glaubwürdigkeit auch nicht mehr. In der Reihe der klassisch-einsamen Filmabschiede, von Bogies Casablanca bis zu Westernheld Shane, wird er keine Aufnahme finden.

    Regie: Kevin Reynolds. Drehbuch: Peter Rader, David Twohy. Kamera Dean Semler. Darsteller: Kevin Costner, Dennis Hopper, Jeanne Tripplehorn.

    Regie: Kevin Reynolds. Drehbuch: Peter Rader, David Twohy. Kamera Dean Semler. Darsteller: Kevin Costner, Dennis Hopper, Jeanne Tripplehorn.

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