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  • Kritik: Anthony Hopkins und Brad Pitt im ungleichen Duell:

    Der Lebensüberdruß junger Mädchen würde beträchtlich anwachsen, wenn der Tod so schön wäre wie der goldblonde Brad Pitt. Wer aber mochte sich bislang ausgerechnet den smarten Herzensbrecher aus Hollywood in der unpopulärsten aller Rollen vorstellen? Einer doch, der Regisseur und Drehbuchautor Martin Brest. Denn Brest präsentiert Pitt in der Titelrolle seines neuen Films "Rendezvous mit Joe Black", als Sensenmann mit wachsender Vorliebe für Erdnußbutter und die schöne Tochter seines nächsten Opfers.

    Das heißt William Parrish und ist ein so mächtiger wie menschenfreundlicher Milliardär kurz vorm 65. Geburtstag. Parrish hat zwei Töchter, von denen der Medienindustrielle allerdings die jüngere Susan mehr liebt als die hyperaktive ältere Allison. Susan ist völlig verblüfft, als ihr Vater bei einem familiären Essen einen unangemeldeten Besucher zum Tisch geleitet, den er als Joe Black vorstellt. Diesen Verlegenheitsnamen hat sich der Tod ebenso erwählt wie die sterbliche Hülle eines Unfallopfers, mit dem - wie das Drehbuch so spielt - Susan noch am Vormittag eine anregende Zufallsbegegnung am Kneipentresen hatte.

    Jor Black läßt Parrish nicht im unklaren über seine Absichten, will sich aber noch etwas Zeit lassen - geschenkte Zeit zum Weiterleben auch für den reichen Mann, den nichts mehr retten kann und sich mit anrührender Demut in sein Schicksal fügt. Aber bis er die Bühne des Lebens endgültig verlassen muß, passiert noch einiges, denn Black entdeckt allerlei irdische Genüsse, und im Kino verstreichen volle drei Stunden. Brest, der 1992 Ruhm mit seinem Al-Pacino-Film "Der Duft der Frauen" erwarb, kostet sein Melodram opulent und in vollen Zügen aus. Das hat das amerikanische Publikum nicht gut gefunden, muß aber nicht gegen den Mut des Regisseurs sprechen.

    "Rendezvous mit Joe Black" gehört zu jenen Filmen, die entweder strikt abgelehnt oder als wunderbar befunden werden. Das wird wohl auch auf die Leistung der weiblichen Hauptdarstellerin Claire Forlani bezogen werden. Die schöne Tochter einer Britin und eines Italieners wirft so schmachtende Blicke in die Kamera, daß fast die Linse wegschmilzt. Das kann man himmlisch finden, aber auch schwer erträglich. Pitt wirkt, wie meist, zu leichtgewichtig als Darsteller, ist aber eine hübsche Tod-Variante. Hopkins agiert hintergründig, mit größter mimischer Ökonomie und sehenswert in jeder Kinosekunde.

    Brest dehnt viele Szenen breit aus, der Zuschauer soll und kann mitatmen. Das ist bei Hollywood-Filmen ein fast ungewohnter Genuß. Gewiß hätte die außergewöhnliche, mit Anklängen an Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" versehene Geschichte auch in der Hälfte der Zeit erzählt werden können. Doch wenn die Leinwand groß ist, die Gefühle stark und die Darsteller attraktiv, dazu das Finale mit dem großen Geburtstagsfest hinreißend - was spricht dann dagegen, sich 180 Minuten ins Land der Träume sinken zu lassen? Martin Brest, Brad Pitt und alle anderen laden uns herzlich dazu ein.

    Wolfgang Hübner, AP

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