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  • Kritik: Anna Thomson brilliert als Komödiantin

    In halsbrecherischen Stöckeln stakst eine zerbrechliche Frau im dünnen Sommerkleidchen über das Trottoir, die Kamera verfolgt sie von hinten. Kippt sie, oder kippt sie nicht, fragt man sich ängstlich und fasziniert zugleich. Bella, die Hauptfigur im Film "Fast Food, Fast Women" knickt tatsächlich um, fängt sich aber gleich wieder.

    Es sind schwankende Gestalten, die diese sommerliche New-York-Komödie bevölkern, doch so leicht sind diese abgebrühten Großstädter nicht zu Fall zu bringen. Schon gar nicht Bella, gespielt von Regisseur Amos Kolleks Lieblingsschauspielerin Anna Thomson, die Dreh- und Angelpunkt eines Reigens von Stadtneurotikern ist.

    Das Thema ist wahrlich nicht neu, und doch gelingt es dieser Komödie, die ewigen Fragen aller Großstadtsingles - Wer liebt mich? Lohnt es sich, und was will ich überhaupt? - mit frischen Akzenten zu versehen, bei denen Woody Allen noch etwas dazulernen könnte. Bella ist eine nicht mehr ganz junge Kellnerin im Schnellimbiss. Sie lässt sich auf ein Blind Date mit Bruno ein, das ihre Mutter aus dem fernen Kalifornien telefonisch eingefädelt hat.

    Eine Freundin schärft Bella ein, bei ihrem Rendezvous auf keinen Fall über ihren Wunsch nach Kindern und einer festen Beziehung zu reden. Bella gibt sich also cool und lotst Bruno sofort in ihr Bett. Auch Bruno verschweigt deshalb die Existenz seiner beiden Kinder. Nicht besser ergeht es dem ergrauten Paul, der durch eine Kontaktanzeige die Witwe Emily kennenlernt. Auch in dieser Beziehung wird gelogen und taktiert, bis Menschen, die sich gerne mögen, durch falschen Stolz einander fast verlieren.

    Zusätzlich komplizieren sich diese Romanzen durch den Hang zur Zweitfrau, beziehungsweise Zweitmann, die man sich vorsichtshalber warmhält. So hat Bella eine langjährige Beziehung zu einem verheirateten Theaterregisseur und bei Taxifahrer Bruno sitzt eines Tages eine unglückliche Emily im Fond seines Wagens.

    Das Bäumchen-wechsle-dich-Spiel hat brüllend komische Momente, und der Dialogwitz ist so trocken wie der Central Park bei 30 Grad im Schatten. Ohne einleitende Übergänge springt der Film von einer Szene zu anderen; die raue und ungeschminkte Machart, die unaufgeräumten Wohnungen und Bellas stressige Arbeit kontrastieren mit dem weichen Sommerlicht, das Brooklyn fast beschaulich aussehen lässt. Die Milieuschilderungen zwischen Boheme und Losertum wirken recht authentisch.

    Bruno, der Taxifahrer und erfolglose Schriftsteller, Bella, die ehemalige Börsenbrokerin und genervte Kellnerin, sind glaubhafte Figuren, während bei manchen Nebendarstellern, wie bei der strippenden Soziologin Wanda, das Unkonventionelle oft nur Behauptung bleibt.

    Das wahre Ereignis ist und bleibt aber Anna Thomson, die in unzähligen Hollywood-Filmen Nebenrollen spielte, doch erst durch Amos Kolleks Independent-Melodramen "Sue" und "Fiona" zum Geheimtipp wurde - und mit dieser Komödie hoffentlich zum Star. Wallende Engelshaare, das Gesicht einer ältlichen Nymphe, riesige Brüste und der Rest dünn wie bei einem Nachkriegskind: Jedes Mal rätselt man, ob sie nun schön oder grotesk ist, und wie es diese Ärmchen schaffen, vollbeladene Tabletts zu stemmen.

    Auch wenn sie immer den Eindruck erweckt, sich selbst zu spielen, ist diese schräge Type unter all den glattgebügelten Heldinnen Hollywoods unbedingt sehenswert. Dieses ätherische Wesen, dem man ständig zurufen möchte: "Zieh dir was Warmes an! Ess dich mal richtig satt!", schafft es mühelos, einen Straßenräuber in die Flucht zu schlagen. Und darum hat dieses morbide Rehlein das märchenhafte Happy End auch voll und ganz verdient.

    Birgit Roschy, AP

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