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  • Kritik: "Anna Karenina" - eine überflüssige Neuverfilmung

    Frankfurt/M (AP) Große Werke der Weltliteratur haben seit der Erfindung des Kinos viel aushalten müssen. Leo Tolstois Roman "Anna Karenina" gehört selbstverständlich zu den unvergänglichen Werken. Schon immer hat die tragische Geschichte um die verzehrende Leidenschaft einer verheirateten Frau die Produzenten und Regisseure verlockt, den Stoff für ein Millionenpublikum zu verwerten. Zu Recht berühmt geworden ist die Verfilmung aus dem Jahr 1935 mit Greta Garbo. Nicht zuletzt mit dieser Leistung begründete die Schwedin ihren legendären Ruhm als die "Göttliche".

    Die am 1. Mai in die deutschen Kinos kommende Neuverfilmung des Klassikers wird hingegen schnell vergessen sein. Trotz gewaltigen Aufwands präsentiert die Produktionsfirma von Oscar-Preisträger Mel Gibson einen völlig uninspirierten Langweiler, der die grandiose literarische Vorlage brav, aber ohne jeden Kinozauber illustriert. Zwar konnte an prachtvollen Originalschauplätzen in Rußland gedreht werden. Doch Aufwand und Ertrag stehen in keinem Verhältnis und machen die müde Szenenfolge auf der Leinwand nicht besser.

    Die Geschichte der schönen Anna Karenina, die um der Leidenschaft zu einem schmucken Offizier willen den langweiligen älteren Gatten und auch den kleinen Sohn verläßt, hat längst jede gesellschaftliche Brisanz verloren. Daß Frauen ihre Männer und auch Familien verlassen, ist längst Alltag und regt nur noch die unmittelbar Betroffenen auf. Was aber immer noch faszinieren könnte, nämlich das Psychodrama einer unbedingt, dafür sogar mit ihrem Leben büßenden Liebenden, das vermag die künstlerisch schmalspurig fahrende Neuverfilmung nie zu zeigen.

    Sophie Marceau in der Titelrolle ist in jeder Weise überfordert. Das, was die Schauspielerin mitbringt, nämlich ein hübsches Schmollmündchen und sehenswertes Dekollete, mag für frivole Studentenkomödien reichen, aber nicht für die Verkörperung einer der berühmtesten Frauenfiguren der Literaturgeschichte. Die Französin hat ein leeres Gesicht, das weder Leiden noch Leidenschaft Annas widerzuspiegeln vermag. Sean Bean als der fesche, aber mit schwachem Charakter ausgestattete Liebhaber Wronsky sieht gut in der Uniform aus, kann Damenkleider aufknöpfen und spricht Papiersätze.

    Regisseur Bernhard Rose, der schon das Musikerporträt "Ludwig van B. inszeniert hat, konnte über einen Etat von 25 Millionen Dollar verfügen. Doch noch so viel Geld ersetzt nicht fehlenden Stil und mangelnde Kreativität. Rose hat offenbar eine ganz lukrative Auftragsarbeit hinter sich gebracht. Daß er dem Stoff irgendwas Neues entlockt oder doch wenigstens eine akzeptable neue Verpackung gegeben hätte, läßt sich beim besten Willen nicht behaupten. Zu sehen ist vielmehr biederes Kostümkino in erlesener Kulisse.

    "Anna Karenina" bleibt ein unvergleichlicher Roman, die alte Verfilmung mit der Garbo ein sehenswerter Film. Produzent Bruce Davey, Rose und Sophie Marceau haben sich lediglich ein Verdienst erworben: Gezeigt zu haben, wie Tolstois Meisterwerk nicht auf die Leinwand gebracht werden sollte. Die literarische Figur Anna Karenina, die mit ihrem Tod aus Liebesleid unsterblich wurde, wird aber auch diesen Anschlag unbeschadet überstehen.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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