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  • Kritik: Ang Lees großes Männerdrama

    Einen Berg mit dem Namen Brokeback Mountain gibt es nicht. Zumindest nicht im US-Staat Wyoming, wo eine epische Liebesgeschichte vor einer grandiosen Bergkulisse ihren Lauf nimmt. Dass sich zwei Cowboys küssen und im Zelt unter einer Decke verschwinden, das hat es in Hollywood-Western noch nicht gegeben.

    John Wayne und Gary Cooper Arm in Arm am Lagerfeuer? Undenkbar. Regisseur Ang Lee hatte den Mut, das richtige Fingerspitzengefühl und mit Heath Ledger und Jake Gyllenhaal die perfekten Hauptdarsteller, um mit «Brokeback Mountain» dieses Tabu zu brechen. Nebenbei fängt der Film auf seinem Siegeszug durch die Kinowelt mit Lassokunst eine Trophäe nach der anderen ein.

    Selbst Nörgler mit Abneigung gegen Homosexualität, die den Film boykottieren, können sich dem «Brokeback»-Phänomen kaum entziehen. Die Gruppe «Global Language Monitor», die alljährlich die Sprachtrends in der Filmszene unter die Lupe nimmt, kürte «Brokeback» kürzlich zum Wort des Jahres 2006. Von Millionen Treffern bei der Google-Suche im Internet über zahllose Witze bis zu Cowboyhüten auf den Mode-Laufstegen: Das Liebesdrama der beiden Cowboys zieht längst auch jenseits der Leinwand Kreise.

    «Brokeback Mountain» ist kein schwules «Vom Winde verweht» für ein kleines Nischenpublikum. Der Film wird allen gefallen, «die großartige Kinokunst und ergreifende Liebesgeschichten schätzen, ob schwul, hetero oder anders gepolt», begeistert sich der «Hollywood Reporter». Lautstarker Beifall der meisten US-Filmkritiker übertönt die Warnrufe von Kirchen und konservativen Gruppen in den USA, dieser etwas andere Western propagiere «mit raffinierten Mitteln» einen homosexuellen Lebensstil.

    Die Geschichte beginnt im Jahr 1963, im erzkonservativen Wyoming, wo die beiden jungen Rancharbeiter Ennis Del Mar (Ledger) und Jack Twist (Gyllenhaal) als Sommerjob zum Schafe hüten in die Berge ziehen. Nur langsam freunden sich der schweigsame Ennis und der temperamentvollere Jack bei karger Bohnenkost und Whiskey am Lagerfeuer an. Als eine kalte Nacht sie zusammen ins Zelt zwingt, flammt die Leidenschaft auf. Doch die beginnende Liebe können sie weder sich selbst und schon gar nicht der Außenwelt eingestehen. «Damit das klar ist, ich bin nicht schwul», sagt der eine am Morgen danach. «Ich auch nicht», bekräftigt der andere.

    Nach dem Sommer auf «Brokeback Mountain» trennen sich ihre Wege, beide heiraten, werden Väter und können trotzdem nicht voneinander lassen. Über Jahrzehnte hinweg treffen sie sich regelmäßig wieder. Harmlose Angeltouren, erzählen sie den Ehefrauen, doch stets kehren sie ohne Fische aus den Bergen zurück. Mit wenigen Worten drückt Ledger die ganze Bandbreite von Ennis' Zerrissenheit, Scham, Angst und Sehnsüchten aus. Jack will als treibende Kraft nicht vor den gesellschaftlichen Zwängen kapitulieren. Michelle Williams und Anne Hathaway spielen die argwöhnischen und verletzten Gattinnen, deren Wunsch nach einer erfüllten Liebe nicht aufgeht.

    Als Vorlage diente Lee die nur 31 Seiten lange Kurzgeschichte von Pulitzer-Preisträgerin Annie Proulx aus dem Jahr 1997. Doch es dauerte acht Jahre, um den nach Lees Worten «Angst einflößenden und heiklen» Stoff auf die Leinwand zu bringen. Die überwältigende Schönheit der kanadischen Rocky Mountains und niedrige Drehkosten gaben den Ausschlag für den Drehort im Nachbarland der USA.

    Der leichte Umgang mit Homosexualität war dem in Taiwan geborenen Lee 1993 mit der Komödie «Das Hochzeitsbankett» gelungen. Wie in «Der Eissturm» (1997) wirft er jetzt wieder seinen unbestechlichen Blick auf starre gesellschaftliche Zwänge. Wie zuvor mit «Tiger Dragon» (2000) inszeniert er mit großem Einfühlungsvermögen ein packendes Melodram. Angs Wunsch für «Brokeback Mountain» ist, «dass die Leute den Streifen nicht als Schwulenfilm, sondern als eine echte, große Liebesgeschichte sehen».

    dpa

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