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  • Kritik: Andre Techines neuer Film über ein dunkles Geheimnis:

    An Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht mangelt es Alice nun wirklich nicht - doch ein Mann wie Martin ist der jungen Französin noch nie begegnet. Ohne viele Worte quartiert der sich in ihrer Wohngemeinschaft mit seinem schwulen Bruder Benjamin in Paris ein.

    Anfangs tut er dort nicht viel mehr als schlafen - und der verstörten Alice heimlich nachzustellen. Zunächst widerwillig läßt sie sich auf eine Affäre mit dem wortkargen Sonderling ein, die sich jedoch bald zur alles andere verdrängenden Liebe wandelt. Doch so leicht läßt sich Martins verborgene Vergangenheit nicht verdrängen.

    Zum Vorschein gräbt sich das dunkle Geheimnis erst, als Alice (Juliette Binoche) schwanger wird. Während sie sich zumindest verhalten auf das ungeplante Kind freut, stellt Martins (Alexis Loret) Reaktion sie vor ein Rätsel. Von einer Minute auf die andere flieht er vor Alice, fordert jähzornig die Trennung und unternimmt Selbstmordversuche. Auf Alices Drängen hin gesteht er die auf ihm lastende Schuld. Um sich beiden eine gemeinsame Zukunft zu ermöglichen, reist die unerschütterliche Frau zu Martins Familie in die französische Provinz. Doch gestaltet sich auch dort die Bewältigung der Vergangenheit alles andere als leicht.

    Der Zuschauer von Andre Techines neuem Film mit dem schlichten Titel "Alice Martin", der am 21. Januar in den deutschen Kinos startet, hat der Hauptdarstellerin lange Zeit etwas voraus: Er kennt - oder ahnt zumindest - aus einem Rückblick in dessen Kindheit und Jugend von Anfang an Martins Geheimnis. Das nimmt dem Film viel an Spannung, obwohl die Handlung doch gerade darauf ausgerichtet scheint. Wichtiger werden auf diese Weise die kleinen Momente in "Alice Martin".

    Dazu zählt Alices Ungläubigkeit über den rasanten Aufstieg Martins als Fotomodell, dessen Gesicht während einer Metrofahrt plötzlich dutzendfach an ihr vorbeirattert. Bei der Darstellung dieses Ausflugs in die Modewelt spart Techine nicht mit Klischees - etwa als eine hektische Agentin dem ahnungslosen Martin in einem Cafe ihre Visitenkarte aufnötigt oder später seine Begleiterin Alice achtlos mit falschem Vornamen anspricht.

    Den Zuschauer von "Alice Martin" erwarten zwei Stunden leichter Unterhaltung, da die Verzweiflung der Figuren nicht so recht auf ihn übergreift und sich schnell entspannter Eindruck einstellt. Dafür, daß es trotzdem nicht langweilig wird, sorgen die brillanten Darsteller, die man irgendwie alle gernhaben muß. Allein die Großaufnahmen von Juliette Binoches wunderschönem Gesicht lohnen den Kinobesuch. Liebenswerte Gestalten sind vor allem der empfindsame Benjamin (Mathieu Amalric) und Martins lebenslustige Mutter (Carmen Maura). Beim Verlassen des Kinos bleibt das Gefühl zurück, als habe man ein paar Stunden Alltag mit etwas sonderbaren Bekannten geteilt.

    Michaela Pieler, AP

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