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  • Kritik: "Anatomie": Franka Potente entdeckt Ärzte-Geheimbund

    Ein junger Mann liegt in einem sterilen, hellen Saal. Über ihm leuchten grell OP-Lampen. Er wirkt benommen. Seine Muskeln gehorchen ihm nicht. Als er an sich hinunter sieht, stockt ihm vor Entsetzen der Atem: Seine Hand wurde an lebendigem Leib fein säuberlich skelettiert.

    Diese schauerliche Szene ist ein Vorgeschmack auf das, was dem Kinozuschauer ab 3. Februar in dem Film "Anatomie" von Regisseur Stefan Ruzowitzky blüht: Blanker Horror made in Germany - mit Franka Potente als Draufgabe.

    Als Protagonistin sorgt Franka Potente für hohes schauspielerisches Niveau. Sie stellt die junge Medizinstudentin Paula Henning dar, die als Zweitbeste ihres Jahrgangs während der Sommermonate zu einem Anatomie-Forschungslehrgang des legendären Professors Grombek in Heidelberg zugelassen wird. Für die ehrgeizige junge Frau geht damit ein Traum in Erfüllung.

    Im Zug lernt sie die einfältig erscheinende Blondine Gretchen, die von Anna Loos gespielt wird, kennen. In ihrem Abteil bricht Unruhe aus, weil der junge David umgekippt ist. Paula leistet kompetent Erste Hilfe. Als er wieder bei Kräften ist, erzählt er von seinem seltenen Herzfehler, der immer wieder solche Anfälle verursache. In Heidelberg angekommen, wird es für Paula, Gretchen und die anderen nach ersten Flirts mit ihren Kommilitonen ernst.

    Völlig geschockt ist Paula, als sie in einer Unterrichtsstunde ausgerechnet Davids Leiche zur Sektion vorgesetzt bekommt. Von nun an wird sie von dem Ehrgeiz getrieben, die Hintergründe von Davids mysteriösem Tod zu erfahren - das Blut des jungen Mannes erscheint ihr unnatürlich verklumpt.

    Bei ihren Nachforschungen stößt die ehrgeizige Medizinstudentin auf die Antihippokraten, einen verbotenen Mediziner-Geheimbund. Seine Mitglieder maßen sich an, über Leben und Tod von Menschen zu bestimmen. Ähnlich wie in dem deutschen Film "Fleisch" in den achtziger Jahren fangen sie nichtsahnende, für die Medizin interessante Menschen von der Straße weg und missbrauchen sie für ihre Zwecke.

    Auch David ist ein Opfer des Geheimbundes. In seiner Leiche befand sich die Droge Promidal, die das Blut in kürzester Zeit zum Gerinnen bringt, die Betroffenen nahezu bewegungsunfähig macht und sie bei lebendigem Leib konserviert. Erst als Paula in ihrem Zimmer eine unmissverständliche Warnung der Antihippokraten vorfindet, ahnt sie, in welche Gefahr sie ihre Nachforschungen gebracht haben. Derweil vergnügt sich Gretchen ausgerechnet im Anatomiesaal mit dem Sunnyboy Phil, der von Holger Speckhahn gespielt wird. Doch das ungewöhnliche Schäferstündchen nimmt ein blutiges Ende. Und auch die Schlinge um Paulas Hals wird immer enger. Viel zu spät merkt sie, dass ihr Leben in höchster Gefahr ist.

    Abgeschnittene Finger, eine zuckende Leiche ohne Kopf und der Anblick eines frisch heraussezierten menschlichen Herzen sind typisch für den neuen Gruselschocker. Weniger unappetitliche Anblicke hätten der Spannung des Films jedoch keinen Abbruch getan - im Gegenteil. Manchmal erzeugt das Unsichtbare, das zu Erahnende, wesentlich mehr Gänsehaut beim Zuschauer als der direkte Anblick des Grauens. Mit dieser Vielzahl scheußlicher Szenen wird er eher abgestumpft als in Gruselstimmung versetzt.

    "Anatomie" ist ein Thriller, der alles zeigt, wenig Raum für Fantasie lässt und deshalb an Reiz verliert. So hebt er sich kaum von unzähligen Hollywood-Produktionen desselben Genres ab. Sehr unglaubwürdig erscheint auch die Auflösung der mysteriösen Todesfälle: Ein Mediziner-Geheimbund steckt dahinter, der schon in Kriegszeiten sein Unwesen trieb.

    Ein Lichtblick ist allerdings Franka Potente, die mit ihrer starken Präsenz ihre Schauspielerkollegen neben sich blass aussehen lässt. Sie haben kaum eine Chance, gegen die bereits mit zahlreichen Preisen dekorierte Darstellerin anzuspielen.

    Susann Huster, AP

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