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  • Kritik: Amüsante Stilübung

    Manchmal wollen alte Hasen wie die Brüder Joel und Ethan Coen sich einfach nur amüsieren und ihre Sache dabei doch gut wie immer machen. Das jüngste Werk «Ladykillers» des amerikanischen Regie- und Drehbuch-Duos ist so ein Beispiel für eine faszinierende Stilübung, bei der durchscheint, wie viel Spaß die Filmemacher beim Drehen gehabt haben.

    Mit ziemlich leichter Hand holen sie den knapp 50 Jahre alten «Ladykiller»-Klassiker von Alexander Mackendrick mit Alec Guiness und Peter Sellers aus seinem «so britischen» Ambiente heraus und verpflanzen ihn in eine farbige Südstaatenlandschaft. Und ein US-Star ist dabei das i-Tüpfelchen - der vielseitige Tom Hanks.

    Bei den unberechenbaren Brüdern aus Minnesota muss man jedes Mal auf Überraschungen gefasst sein. Mit ihrem Cannes-gekrönten «Barton Fink», dem absurden Meisterwerk «Fargo» oder ihrem psychedelischen «Big Lebowski» haben sie in den neunziger Jahren stärkste Akzente gesetzt. Die neue leichte Komödie «Ladykillers» knüpft nun mehr an ihre Südstaaten-Odyssee «O'Brother» mit George Clooney aus dem Jahr 2000 an und zeigt die Coen-Brüder damit erneut näher an Hollywood.

    Tom Hanks entfernt sich in dem Remake einmal mehr weit von seiner Rolle des tumben «Forrest Gump» und zeigt die ganze Bandbreite seines Könnens. Ein hochgestochenes und dabei leeres Gerede ist seine Waffe als hochgebildet näselnder Professor Goldthwait Higginson Dorr, der den ganz großen Coup landen will. Als Fachmann für tote Sprachen und die Literatur des Edgar Allan Poe schmeichelt er sich bei der Witwe Mrs. Munson (Irma P. Hall) ein, weil er ihren Keller angeblich als Übungsraum nutzen möchte. Die tiefgläubige farbige Baptistin willigt ein - überwältigt von dem schulmeisterlichen Redeschwall des charmanten Professors mit der schmucken Fliege.

    Der gebildete Galant hat mit dem Keller allerdings weit anderes vor. Zusammen mit einem bunt zusammengewürfelten Team gräbt er von dem Gewölbe aus einen Tunnel zu dem Casino-Schiff «Bandit Queen» auf dem Mississippi, um an die Kasse heranzukommen. Doch eine ganze Menge geht dabei schief, und das Quintett hat die Rechnung ohne die Wirtin gemacht. Auch die Absicht der Gauner, die aufmerksame Missis Munson aus dem Weg zu räumen, ist so einfach nicht in die Tat umzusetzen - was das Regie-Duo zu einigen gekonnten Schlussakkorden angeregt hat.

    Die Charaktere des «Ensembles» sind zugespitzt und voneinander abgegrenzt, wodurch der leichten Komödie allerdings Finesse verloren geht. Und dennoch leben diese «Ladykillers», und zwar nicht nur von Tom Hanks, sondern auch dank jener Lady Hall, die für ihre Rolle den Jury-Preis des Festivals von Cannes bekam. Mehr war für die Coen-Brüder, die sich dort schon zum siebten Mal mit einem Film präsentierten, nicht drin.

    Bis auf eines noch: viel Lob für die hervorragende Filmmusik, eine ansprechende Mischung aus Gospel und HipHop. Dafür zeichnet Grammy-Gewinner T-Bone Burnett verantwortlich, der schon das bluesige «O'Brother»-Werk zum reinstem Hörvergnügen gemacht hatte.

    dpa

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