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  • Kritik: AmerikaSatire

    Was haben Schönheitswettbewerbe, die Normen der bürgerlichen Gesellschaft und das ganz alltägliche Familienleben «made in USA» gemeinsam? Gnadenlosen Erfolgszwang. Genau den nimmt das Debüt von Jonathan Dayton und Valerie Faris mit gallebitterem Witz aufs Korn.

    Ausgangspunkt des originellen Road Movie: Klein-Olive (Abigail Breslin) träumt vom Sieg in einem Beauty Contest. Von der Familie wird sie dabei nach bestem Wissen unterstützt. Schließlich ist dieser Spleen noch der harmloseste bei den Hoovers.

    Olives Vater Richard (Greg Kinnear) ist ein glückloser Händler von Erfolgstheorien, der pubertierende Bruder Dwayne (Paul Dano) ein schwachköpfig wirkender Junge, der sich weigert zu sprechen, Onkel Frank (Steve Carell) suizidgefährdet und Großvater Edwin (Alan Arkin) wegen Drogen- und Sexeskapaden aus dem Altersheim geflogen. Mutter Sheryl (Toni Collette), eine wuselige Mittelstandsglucke, hat alle Mühe, diesen Haufen schräger Vögel halbwegs in der Balance zwischen Wahn und Wonne zu halten.

    Die Tour zur «Miss Sunshine»-Konkurrenz im wackligen VW-Bus quer durchs Land wird zur wirklich haarsträubend harten Prüfung für die Hoovers. Nur Olive zeigt sich von Chaos, Tod und anderen Misslichkeiten unbeeindruckt. Sie hat schließlich ein Ziel vor den Augen.

    Ohne auch nur einmal eine der Figuren zu denunzieren, wird der Irrsinn eines allein auf Äußerlichkeiten ausgerichteten Lebens satirisch gegeißelt. Die Fahrt durch die USA wird natürlich zu einer Entdeckungsreise des jeweils eigenen Ichs der Protagonisten. Der Humor ist dabei oft schrill, gleitet aber nie ins Dumpfe ab.

    A und O sind die schauspielerischen Leistungen. Alle Darsteller haben Momente großer Komik, hinter der stets die Tragik vertaner Lebensträume erkennbar ist. Das provoziert Lacher am laufenden Band, sorgt aber ebenso für einige Besinnung. Besonders überrascht die neunjährige Abigail Breslin, die dem Pummelchen Olive eine geradezu atemberaubende Präsenz gibt, dabei jedoch in keinem Moment auf «kindlich» getrimmt wirkt, sondern durchweg vollkommen glaubwürdig.

    Dem Regie-Duo Jonathan Dayton und Valerie Faris gelingt das Kunststück einer gesellschaftskritischen Satire von Format, die auch Romantiker und Comedy-Fans erfreut. Das bisher als Musikvideodesigner bekannte Paar hat die mit vielen Überraschungen gespickte Erzählung formal brillant umgesetzt, nicht exaltiert, voller formaler Spielereien, sondern ganz geradlinig, sich auf die wunderbaren Charaktere konzentrierend. So kann sich schließlich der Glanz wirklicher Menschlichkeit in voller Schönheit entfalten.

    Peter Claus, dpa

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