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  • Kritik: Amerikanisches Kino aus Deutschland

    Auf den ersten Blick wirkt der Film "I Love You, Baby" wie ein amerikanisches B-Movie - und das ist durchaus ein Kompliment. Die Schnitte sind schnell, die Atmosphäre trotz Mallorca- Hitze kühl und die Filmmusik schmissig.

    Doch bei der fünf Millionen Mark teuren Produktion handelt es sich um einen deutschen A-Film. Der Kurzfilmregisseur Nick Lyon hat bei seinem Kinodebüt versucht, viel Hollywood-Atmosphäre mit einer Mischung aus unverbrauchten und erfahrenen deutschen Schauspielern zu vereinen - mit erstaunlichem Erfolg.

    Kleinganove Peter (Mark Keller) und Freundin Gwen (Jasmin Gerat) leben in einem heruntergekommenen Bungalow auf Mallorca und halten sich mit Gelegenheitsdiebereien über Wasser. Bei einem Einbruch in die pompöse Villa des Multimillionärs Walter Ekland (überzeugend: Maximilian Schell) stößt Peter auf die Chance seines Lebens: Ekland hat einen Detektiv mit der Suche nach seinem seit der Geburt verschollenen Filius beauftragt, dieser ist jedoch bereits tot.

    Nun schlüpft Peter in die Rolle des verlorenen Sohns, um abzukassieren. Doch er hat die Rechnung ohne den Privatschnüffler, seinen vermeintlichen Freund Richie, seine Lebenspartnerin und Eklands Anwalt gemacht. Außerdem entwickelt der Kleinganove mit Herz echte Gefühle für Ekland.

    Der Film überrascht mit den schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller. Sowohl der RTL-Serienheld Keller ("Alarm für Cobra 11") als auch die frühere Teenie-Moderatorin Gerat überzeugen in ihren Rollen auf der großen Leinwand. Sie werden ergänzt von einem gefühlvoll agierenden Maximilian Schell und dem bis an den Rand der Karikatur seiner Figur gehenden Burkhard Driest: In bester Dennis- Hopper-Manier spielt er den verrückt-sadistischen falschen Detektiv.

    Der Kameramann Ekkehart Pollack schafft immer wieder interessante Blickwinkel: Angeschnittene Darsteller, niedrige Kamerapositionen, staubig-schöne Insel-Totalen. Betörend die heiße Liebesszene des Gaunerpaars auf rotem Seidenlaken: Mal schräg von oben, mal im Kreis um das Bett fahrend, mal auf dem Kopf stehend, fängt die Kamera die schwitzenden nackten Köper mit unvoyeuristischem Blick ein.

    Bei der deutschen Produktion handelt es sich jedoch nicht nur dem Titel nach um einen stark amerikanisierten Streifen. Der "Look des Films", wie es Mitproduzent Keller nennt, erinnert - gewollt - an einschlägige Hollywood-Road-Movies wie "Wild at Heart" oder "True Romance". Immer wieder zitiert US-Regisseur Lyon bekannte Szenen amerikanischer Streifen: Wilden Sex auf dem Küchentisch oder das Ausheben einer Leichengrube in strömendem Regen erscheinen irgendwie vertraut. Auch die Figuren ähneln teilweise stark denen ihrer US- Vorbilder.

    Dennoch ist "I Love You, Baby" kein Hollywood-Abklatsch, sondern hat seinen eigenen Stil. Wenn Driest auf offener Straße vier spanische Polizisten mit albern-komischen Hüftschwingungen zum Lachen bringt, um sie dann gnadenlos abzuknallen, nimmt der Film sich selbst nicht bierernst und entwickelt ganz eigene komische Akzente. Und zahlreiche - wenn auch etwas zu viele - Wendungen der Handlung lassen die Geschichte nie langweilig werden. Mit der Konzentration auf die Schauspielerriege und dem Verzicht auf spektakuläre Actionszenen wurde ein überraschender Film geschaffen, der eine Chance verdient hat.

    Patrick T. Neumann, dpa

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