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  • Kritik: Amerikanischer Albtraum

    Alles wirkt perfekt in Stepford: Der Ort ist eine sonnige, saubere, sichere Idylle. In seiner Harmonie scheint Stepford genau das richtige Refugium zu sein für die gefeuerte Managerin Joanna und ihren Mann Walter. Doch das Paradies in Pastellfarben hat eine pechschwarze Schattenseite.

    «Die Frauen von Stepford» mit Nicole Kidman, Glenn Close und Bette Midler ist eine skurrile und intelligente Komödie über Männerfantasien und Frauen(alb)träume, die leider gegen Ende in grellen Klamauk abgleitet.

    Der Film ist ein Remake des gleichnamigen Horror-Thrillers von 1975, in dem die Männer eines amerikanischen Vorortes ihre sanft aufmüpfigen Frauen durch dienstbeflissene Roboter-Weibchen ersetzen. Doch mit dem feministischen Grusel des Originals hat die neue Produktion in der Regie von Frank Oz wenig gemein. Gegen den Schrecken wurde hier Unterhaltung auf Teufel komm raus gesetzt. Vor allem in der ersten Hälfte tragen geschliffener Wortwitz und gut getimte Situationskomik zum post-feministischen Entertainment bei.

    Joanna (Kidman) ist als Chefin eines New Yorker TV-Senders entlassen worden, nachdem ein Opfer der von ihr produzierten Reality- Geschlechterkampf-Shows Amok gelaufen ist. Ihre Karriere ist mindestens ebenso kaputt wie ihre Ehe. Damit, dass sie auch zwei Kinder hat, hält sich der Film nicht lange auf. Nach Joannas Nervenzusammenbruch wittert ihr schwächlicher Mann Walter (Matthew Broderick) seine Chance: Raus aus New York, raus aus Hektik und Stress, weg mit all dem Ehrgeiz und dem Karrierestreben. Auf nach Stepford.

    Der Ort erstrahlt in schönstem 50er-Jahre-Kitsch und gestattet sich in grenzenloser Toleranz sogar ein reizendes schwules Pärchen in seiner Mitte. Die Frauen sind appetitlich zurecht gemacht und stehen ihren Männern kochend, putzend und im Bett stets euphorisch zu Diensten. Im diesem Reich des Muffin-Backwahns und der blumigen Dekorationsorgien führt Glenn Close als eisern dauerlächelnde Claire so rigoros wie undurchsichtig Regie.

    Die Männer von Stepford treffen sich in ihrem «Club». Hier leben sie unter Anleitung von Claires Mann (Christopher Walken) unbeschwert ihren Spieltrieb aus und hüten ein übles Geheimnis: Ihre «besseren Hälften» werden im Keller zu Roboterweibchen transformiert. Die beruflich einst erfolgreichen Powerfrauen stöckeln nun willenlos durch den Supermarkt und sind per Fernbedienung lässig zu steuern. Das Schicksal droht auch Joanna und ihrer neuen Freundin, der unkonventionellen Bobbie (Bette Midler).

    Lächerliche Männer gegen überlegene Frauen - diese Konstellation des Geschlechterkampfes könnte in einer Satire durchaus funktionieren. Doch Frank Oz und sein Drehbuchautor Paul Rudnick haben allzu gründliche Arbeit geleistet bei der Umwandlung der gruseligen Originals zur erstklassig und teuer besetzten Hollywood- Komödie mit vielen Spezialeffekten. Gegen Ende kommt ihnen der schwarze Humor völlig abhanden und die Geschichte findet ihre Auflösung in einer durchgeknallten Groteske.

    dpa

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