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  • Kritik: Amerikanische Symphonie

    Es beginnt optimistisch beschwingt, aber doch recht verhalten, gewissermaßen allegro ma non troppo. Leise ertönt das Mister-Holland-Thema: Ein junger Komponist arbeitet an seiner ersten großen Symphonie. Er haust mit seiner geliebten Frau in beengten Verhältnissen, verdingt sich als Musikant bei Hochzeiten und Familienfesten. Und wenn man sich den Film wirklich als musikalisches Opus vorstellen wollte, müßte diese Exposition recht konservativ, aber doch ein bißchen jazzig klingen: Immerhin verehrt der Mann John Coltrane und George Gershwin.

    Dann erklingt mächtig die Schicksalsmelodie. John F. Kennedy ist gerade erschossen worden, und zu den vielen Träumen, die damals auf unbestimmte Zeit vertagt werden, gehört auch der von Mister Holland. Er übernimmt einen Job als Musiklehrer an einer High-School in Oregon und erlebt das als tiefe Niederlage: Wer Kunst unterrichten muß, hat als Künstler erst mal versagt. In diese Molltöne mischt sich bittersüß das Vatermotiv: Mister Hollands Frau ist schwanger geworden, und nun ist er auf ein festes Gehalt angewiesen und wird so bald nicht mehr zum Komponieren kommen.

    Richard Dreyfuss ist perfekt für die Rolle dieses Mannes, der kaum noch Illusionen hat und sich doch immer wieder zusammenreißt. Schon immer schien er die Schwierigkeiten des Lebens auch als persönliche Beleidigung zu begreifen, ganz gleich, ob das eine unheimliche Begegnung mit dem weißen Hai war oder mit Besuchern der dritten Art. Nun quälen ihn Schüler, die keine Spur von Interesse oder gar Talent erkennen lassen, und die besten Momente des Films sind die, in denen Mister Holland versucht, einen Funken Leidenschaft in ihnen zu wecken - ohne daß er recht wüßte, wozu das gut sein soll. Gleichzeitig aber wiederholt sich die Schicksalsmelodie in düsteren Klangfarben: Der eigene Sohn wird taub geboren.

    Hier beginnt der Film ein bißchen schrill zu werden. Daß Mister Holland eine erfolgreiche Musikkapelle formiert, muß als Mißklang gelten, ebenso die Szene, in der er ein Schulkonzert nutzt, um für seinen Sohn das Lied 'Beautiful Boy' zu singen. Das fällt aber nicht so ins Gewicht, weil doch sehr viel passiert.

    Ganze dreißig Jahre gehen ins Land, bevor die sorgfältig arrangierten Leitmotive sich tränenreich zur gewaltigen Reprise vereinen dürfen: Just in dem Moment, als Mister Hollands Stelle auf bürokratische und wenig spektakuläre Art eingespart wird, kommen die ehemaligen Schüler zum Finale � la Frank Capra zusammen. Alle sind gerührt und dankbar, die schüchternste aller Studentinnen ist inzwischen Gouverneurin geworden, und Gott weiß, was passiert wäre, wenn Mister Holland ihr nicht an der Klarinette Mut zugesprochen hätte.

    Dumm nur, daß inzwischen auch Mister Hollands Symphonie fertig geworden ist; ganz dumm, daß er sie 'An American Symphony' getauft hat; fatal, daß sie nun auch noch aufgeführt wird. So endet der Film mit einem dröhnenden Fortissimo und einem quälenden Rätsel: Ist dieses Opus, das der Filmkomponist Mister Kamen beigesteuert hat, bewußt grauenvoll, um Mister Hollands eigentliche Stärke als Pädagoge noch einmal zu betonen? Oder ist es doch genau das, was die Amerikaner sich unter einer amerikanischen Symphonie vorstellen? Die Antwort wollen wir lieber gar nicht wissen.

    TOBIAS KNIEBE USA, 1995 - Regie: Stephen Herek. Buch: Patrick Sheane Duncan. Kamera: Oliver Wood. Musik: Michael Kamen. Darsteller: Richard Dreyfuss, Glenne Headly, Jay Thomas, Olympia Dukakis. Verleih: CI. 140 Minuten.

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