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  • Kritik: "Am Ende der Gewalt": Handys und Laptops statt Schicksale und Geschichten

    Frankfurt/M (AP) Wim Wenders ist noch zu jung, um immer nur den Repräsentanten verblichener deutscher Filmkunst spielen zu können. Also dreht er ab und zu einen Spielfilm, in den letzten Jahren vornehmlich lang und langweilig. Dieser schlechten Angewohnheit ist der Schöpfer von "Paris Texas" und "Der Himmel über Berlin" leider auch bei seinem neuen Werk "Am Ende der Gewalt" treu geblieben. Wenn am 27. November dieser 121minütige Film in die deutschen Kinos kommt, werden nur sehr hartgesottene Wenders-Anhänger auf ihre Kosten kommen. Alle anderen sollten sich auf einen zäh verlaufenden, völlig temperamentfreien Kinobesuch gefaßt machen.

    Dabei hatte der Regisseur mit Hollywood-Starbesetzung doch diesmal ganz Großes vor: Er wollte eine Art unterhaltsamen Filmessay über die Entstehung von Gewalt und das Leben mit der Gewalt entfalten, intelligent, komplex, spannend, reflexiv. Und Wenders wollte mit dem kompliziert verschachtelten Handlungsaufbau unverkennbar in die Fußstapfen eines ganz Großen treten, nämlich in die von Robert Altman.

    An dessen berühmtes Los-Angeles-Panorama "Short Cuts" schließt sich die Dramaturgie "Am Ende der Gewalt" geradezu aufdringlich an, allerdings ohne Erfolg: Denn wo Altman auf grandiose Weise viele Schicksale mit- und ineinander verwebt, da präsentiert Wenders nur Charaktere aus zweiter Hand, deren virtuoser Umgang mit Handys, Laptops und allgegenwärtigen Überwachungskameras nicht über ihre menschliche Belanglosigkeit hinwegzutäuschen vermag.

    Warum zeigt Wenders zwei Stunden lang so völlig uninteressante Leute wie den Filmproduzenten Mike Max, gespielt von Bill Pullman, seine notorisch unbefriedigte Frau Paige, mit Leidensmiene verkörpert von Andie MacDowell, oder den observierungssüchtigen Wissenschafler Ray Bering, dem der gute Gabriel Byrne vergeblich etwas Geheimnis zu verleihen versucht? Und wen soll die mühselig zusammengebastelte Handlung um eine absurd endende Entführung berühren, wenn schon die Schauspieler agieren, als wollten sie sich einmal so richtig für weitere Aufgaben schonen?

    Wenders kann solche überflüssigen Filme machen, weil er früh gelernt hat, kleine Ideen wortreich und zeitgeistkompatibel zu verkaufen. Diesmal dient das Thema Gewalt als Aufhänger, der Filmemacher will zeigen, daß Gewalt die Abwesenheit von Liebe ist. Aber nicht die Absichten zählen, sondern das Ergebnis. "Am Ende der Gewalt" ist die Abwesenheit von Spannung, Emotion und Realität. Es ist eine Kopfgeburt von einem Cineasten für seine Anhänger in Cinemascope. Es bleibt die wehmütige Erinnerung, daß Wim Wenders einst wirklich gute Filme gemacht hat. Aber das ist immer länger her.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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