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  • Kritik: "Am achten Tag":

    Hamburg (dpa) - Die Konstellation hat das Zeug zum Alltagsmärchen: Ein gestreßter Manager begegnet einem jungen Mann mit Down-Syndrom, und eine außergewöhnliche Männerfreundschaft beginnt. Jaco von Dormael, der mit "Toto, der Held" schon 1991 bei den Filmfestspielen in Cannes einen Erfolg feierte, legte dort in diesem Jahr nach - und griff dazu tief in die Wundertüte. Allem bewunderswerten Spiel des jungen Pascal Duquenne, der in Cannes den Darsteller-Preis einheimste, zum Trotz: Heraus kam eine reichlich überzuckerte Geschichte an der Grenze von Traum und Wirklichkeit.

    Die Story um die beiden so unterschiedlichen Männer, die doch soviel voneinander lernen, erinnert an Terry Gilliams Großstadtphantasie "Der König der Fischer" oder an Tom Cruise und Dustin Hoffman in Barry Levinsons "Rain Man". Auch hier treffen ein Außenseiter und ein (vermeintlich) etabliertes Mitglied der Gesellschaft aufeinander. Manager Harry (Auteuil), der reichlich lustlos Motivationskurse für Jung-Banker gibt und seine Familie sträflich vernachlässigt, gabelt eines Nachts den aus seinem Heim ausgebüchsten Georges (Duquenne) auf.

    Zunächst kann er mit dem Träumer nicht viel anfangen. Doch mit seiner naiven, unbestechlichen und nicht-berechnenden Art erobert der junge Mann Harrys Herz und macht ihm Mut, abseits festgetretener "Erwachsenen-Pfade" zu marschieren. Umgekehrt verschafft Harry seinem Freund Georges ein Stück unbekannter Freiheit. Denn etwa die Liebe zu seiner gleichfalls an Trisomie 21 erkrankten Freundin Nathalie durfte Georges zuvor im Heim nur platonisch ausleben.

    Während die Story zunächst märchenhaft leicht voranschwebt, gelingt es Van Dormael zum Ende des Films nicht mehr, die phantastisch gesponnenen Fäden zu einem homogenen Gewebe zu verbinden. Die Diskrepanz zwischen den in süßlich-grelle Farben getauchten Traumwelten Georges', in denen er seiner längst toten Mutter und einem mexikanischen Schnulzensänger begegnet, und dem Anspruch an eine realistische Geschichte ist zu groß. Das melodramatische Happy-End für den geläuterten Manager und das traurige Ende für Georges - so recht überzeugen kann beides nicht.

    Allzu sehr scheint die Story zudem an vielen Stellen um den jungen Kranken herumgebaut, der Auteuil locker an die Wand spielt: Angesichts von Duquennes eindringlicher Spontaneität wirkt Auteuil oft gestelzt und übertrieben, weniger Gestus wäre mehr gewesen. So leidet das Gesamtprodukt unter allzu demonstrativ in Szene gesetzter "Political Correctness".

    Von Andrea Barthelemy, dpa

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