40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Altman verfilmte Grisham:
  • Kritik: Altman verfilmte Grisham:

    Die Kombination von Drehbuchautor und Regisseur versprach spannende und vielschichtige Unterhaltung. Regie-Altmeister Robert Altman verfilmte mit "The Gingerbread Man" (Der Lebkuchenmann) das einzige Originalskript des Thriller-Fabrikanten John Grisham, das zuvor nicht als Roman-Bestseller veröffentlicht worden war.

    Doch den robusten Stories Grishams um Intrigen, Verrat und und das große Geld läßt sich schwer Höheres, aber auch nichts Tieferes, Existenzielles abtrotzen. Das vermochte auch der 73jährige

    nicht, der sich mit Werken wie "The Player", "Nashville" und "Short Cuts" den Ruf eines Philosophen im Regiestuhl erworben hat.

    Im Mittelpunkt steht der erfolgsverwöhnte und arrogante Anwalt Rick Magruder (Kenneth Branagh), dem eine heiße Liebesnacht zum Verhängnis wird. Nach einer solchen bietet er seiner Zufallsbekanntschaft Mallory Doss (Embeth Davidtz) rechtlichen Beistand an, die sich von ihrem jähzornigen Vater Dixon (Robert Duvall) verfolgt und bedroht fühlt. Doch zunächst aber bleibt in der Schwebe, was die Hauptstory des Films ist: Die angespannte Beziehung des Anwalts zu seiner geschiedenen Frau und das daraus resultierende Gezerre um die Kinder, seine Affäre mit der Kellnerin Mallory, deren problematisches Verhältnis zu ihrem Vater oder die undurchsichtigen Umtriebe des Vaters mit sektenhaften outlaws.

    So entspinnt sich vor der Kulisse einer schwülen Südstaatenidylle in der US-Kleinstadt Savannah (Georgia) eine reichlich undurchschaubare Kriminalgeschichte, in der der Zuschauer durch verworrene Handlungsstränge, eine häufig zielos herumirrende Kamera und unablässig niederprasselnden Regen um eine klare Sicht ringt. Zumal Dreiviertel des Films - begleitet vom Heulen eines heraufziehenden Hurrikans - in so düsteren Bildern in Szene gesetzt sind, daß man gelegentlich eine Taschenlampe anknipsen möchte, um die Darsteller erkennen zu können.

    Magruder bringt schließlich zur Beruhigung seiner Freudin den Vater hinter die Gitter einer psychiatrischen Anstalt. Doch nun nimmt das Unheil erst recht seinen Lauf. Im Schutze des Hurrikans, der sich symbolhaft wie ein Damoklesschwert über das kulminierende Geschehen senkt, gelingt dem Vater mit Hilfe seiner Kumpane die Flucht in die Sümpfe Savannahs. Lange bevor das Schicksal zuschlägt, lastet es schon auf den Bildern, kündigt sich mit unheimlichem Sturmgetöse an. Denn plötzlich scheinen die Kinder Magruders, die er einen Augenblick aus den Augen ließ, entführt zu sein - ein Racheakt des Vaters? In den regenüberfluteten Sümpfen kommt es zum großen Showdown - Magruder erschießt im Beisein Mallorys den Vater, um vermeintlich seine Kinder zu retten.

    Nach weiteren Verwicklungen und actionreichen Begegnungen unter anderem zwischen dem Ex-Mann Mallorys und einem von Magruder engagierten Privatdetektiv (Robert Downey jr.) kommt heraus, worum es die ganze Zeit ging: Ums große Geld. Der Vater besaß ein wertvolles Grundstück mit seltenen schwarzen Walnußbäumen, auf das es Mallory abgesehen hatte. Der erfolgreiche Anwalt ist der Dumme - nur das Werkzeug in den Händen einer verführerischen Intrigantin, die seine Sexlust für ihre Ziele eingespannt hat. Seine Karriere und sein Leben sind kaputt. Die letztlich banale Pointe überrascht nach fast zweistündiger, etwas zu dick aufgetragener Verwirrung nicht.

    Kirsten Baukhage, dpa

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
    Bettina Tollkamp

    Bettina Tollkamp

    Chefin v. Dienst

    E-Mail

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    • Lokalticker
    • Regionalsport
    • Newsticker
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    4°C - 8°C
    Sonntag

    6°C - 9°C
    Montag

    4°C - 8°C
    Dienstag

    5°C - 7°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!