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  • Kritik: Almodóvars Verwirrspiel um Sex, Lügen und Tod

    Schwarz ist die Elementarfarbe in dem virtuosen und mit Sicherheit persönlichsten Film des spanischen Meisterregisseurs Pedro Almodóvar. In «Schlechte Erziehung» (La mala educación) sind die Soutanen der Pfarrer ebenso rabenschwarz wie die Nächte in den Schlafräumen ihres katholischen Internats und vor allem auch die Schicksale ihrer jungen Zöglinge.

    Sexuellen Missbrauch unter dem Deckmantel einer kirchlichen Erziehung hat der 52-jährige Almodóvar zum Ausgangspunkt seines Verwirrspiels um Lügen, Verhängnis und Tod gemacht. Er lädt ein auf eine rasante Achterbahn über die Höhen von Melodram und Satire bis tief hinunter in den Abgrund der Gefühle.

    Da ist zunächst einmal eine Dreiecksgeschichte der besonderen und der besonders prägenden Art. Die Klosterschüler Enrique und Ignacio entdecken ihre Liebe, aber auch die Faszination des Kinos und die Furcht vor den Annäherungen des Padre Manolo. Lange Zeit nach diesem Erwachen in der Zeit des Franco-Regimes scheint es 1980 dann zu einem Wiedersehen der früheren Freunde zu kommen. Enrique ist ein bereits erfolgreicher Regisseur, auf seinem Tisch landet eine Vorlage für einen Film über seine schon 16 Jahre zurückliegende Pensionatszeit.

    Was folgt, das ließe sich wie so oft bei einem facettenreichen Filmpuzzle nicht oder nur sehr oberflächlich beschreiben. Mit einem Film-im-Film, mit Rückblicken und gekonnten Verschachtelungen schickt der Regisseur von «Sprich mit ihr» und «Alles über meine Mutter» den Zuschauer in ein Labyrinth der trügerischen Spiegel und in die Irre führenden Wege. Beispielhaft dafür ist das Spiel des mexikanischen Schauspielers Gael García Bernal, der gleich in drei Rollen schlüpft, darunter die grandios gespielte eines Transvestiten. Das Filmfestival in Cannes feierte Bernal als den aufgehenden Stern am Kino-Firmament. «Schlechte ERziehung» eröffnete das Festival im Mai außer Konkurrenz.

    Das Ergebnis ist ein dunkler Thriller, ein «film noir» im besten Sinne, also gleichzeitig auch Psycho-Drama à la Patricia Highsmith, eingebettet in die feine Kunst der Auflösung aller Handlungsstränge. Es gehe ihm nicht um Rache, beteuert der Regisseur, der selbst durch die Schule der Pater gegangen ist: «In dem Fall hätte ich doch nicht 40 Jahre gewartet, um diesen Film zu machen.» Der Film sei auch nicht autobiografisch im eigentlichen Sinne, wehrt Almodóvar ab, die Figur des dämonischen Paters Manolo allerdings nach dem Bild zweier Pfarrer seines damaligen Internats «erfunden». Wie dem auch sei - Almodóvar weiß, worum es ihm geht. Und wenn er erklärt, die Kirche interessiere ihn selbst als Gegner nicht, sind Fragezeichen dazu doch angebracht.

    «Schlechte Erziehung» besticht durch sein schillerndes Sujet und die radikale Regie. Alle sind Monster und gleichzeitig auch die Opfer schrankenloser Gefühle. Passion (Leidenschaft) ist nach Almodóvar der Schlüssel zu allem - und im Film das letzte Wort des Regisseurs dazu.

    dpa

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