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  • Kritik: "Alles nur Tarnung"

    Hamburg (dpa) - Telefonsex im Knast? Provisorische Schnapsbrennerei hinter Gittern? Romantische Schäferstündchen zwischen kargen Gefängniswänden? Kein Problem, alles nur eine Frage der richtigen Organisation - das zumindest führt Peter Zinglers Kinofilm "Alles nur Tarnung", auf amüsante Art vor Augen.

    Und er könnte damit richtig liegen, denn der Regisseur und Autor hat einschlägige Erfahrungen: Als ehemaliger "Berufseinbrecher" verbrachte er insgesamt rund zwölf Jahre im Knast.

    Der Gefängnisfilm kommt als Komödie daher, unterscheidet sich aber deutlich von den meisten neuen deutschen Komödien. Action, neurotische und frustrierte Großstadtmenschen oder coole Sprüche gibt es nicht, dafür umso mehr unfreiwillige Komik. Vor allem sorgt die fast liebevolle Beschreibung des kleinstadtähnlichen Gefängnisalltags in den 70er Jahren für absurd-komische Situationen. Die Besetzung ist vom Feinsten: Neben den beiden Altstars Mario Adorf und Elke Sommer spielen Ben Becker und Muriel Baumeister die Hauptrollen.

    Schauplatz ist ein "echtes" Männergefängnis - so meint jedenfalls der junge Harry (Ben Becker), den seine kleineren Gaunereien bisher nur ins Heim für Schwererziehbare verschlugen. Vor allem teilt er jetzt, nach der jüngsten Festnahme als Volljähriger, die Zelle mit seinem Vater Willi (Mario Adorf), den er für den größten Gangster seit Al Capone hält. Der aufstrebende Jungganove muß allerdings erkennen, daß sein Vater nur ein harmloser kleiner Gauner ist.

    Und so lernt Harry von seinem Vater zwar nicht das Einmaleins des großen Verbrechens, dafür aber viele kleine Tricks, mit denen das Leben im Gefängnis recht angenehm werden kann. Waren- und Briefverkehr im Hause sind ein Kinderspiel, Plastikkanister werden Brutstelle von Hochprozentigem und auch das Zellenklo erhält eine ganz neue Verwendung.

    In der Zelle unter den beiden Männern wohnen Jutta (Elke Sommer) und Harrys Freundin Marlies (Muriel Baumeister), die gemeinsam mit Harry festgenommen wurde. Genau wie Willi hat Jutta sich ihren Platz im Mikrokosmos der Gefängniswelt geschaffen: Ihre Stöhnerei vor hochgeklapptem Klodeckel verkauft die findige Prostituierte durch die Toilettenkanalisation als Telefonsex. Dafür gibt es Kaffee, Tabak und Bargeld, das sie wiederum an ihren Zuhälter "draußen" abgibt.

    Am Ende bekommt jeder, was er will: Harry und Marlies gelingt die Flucht. Und Willi und Jutta können die Klodeckel schließen und bei Kerzenschein und selbstgebranntem Schnaps endlich ein wirklich gemeinsames Schäferstündchen verbringen.

    Von Imke Oltmanns, dpa

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