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  • Kritik: Alles nur ein Traum?

    Hamburg - Dicke blaue Rauchschwaden ziehen durch den gut besuchten New Yorker Jazz-Club. Plötzlich wird die Live-Musik jäh durch einige Schüsse unterbrochen, die jemand aus der Menge abfeuert.

    Eine der Kugeln trifft den Saxophonisten Izzy Maurer (Harvey Keitel), der schwerverletzt auf der Bühne zusammenbricht. Mit der amerikanischen Independent-Produktion "Lulu on the Bridge" gibt der New Yorker Schriftsteller und Drehbuchautor Paul Auster ("Smoke", "Blue in the Face") jetzt sein Regiedebüt. In stimmungsvollen Kinobildern erzählt er darin eine mysteriöse Geschichte, die er metaphorisch auf verschiedenen Ebenen angesiedelt hat.

    Ursprünglich wollte Wim Wenders die Regie übernehmen. "Da wir schon seit Jahren miteinander befreundet sind, hat er mich gebeten, ein Drehbuch für ihn zu schreiben", berichtet Paul Auster. Als das Skript vorlag, zögerte Wenders jedoch. "Die Idee, sich schon wieder mit einem Film-im-Film-Thema zu beschäftigen, schreckte ihn plötzlich ab." Daraufhin entschloß sich Auster, der bereits zusammen mit Wayne Wang die Co-Regie bei "Smoke" und "Blue in the Face" geführt hatte, dieses Spielfilmprojekt selbst zu realisieren.

    Die Schußverletzung hat für Izzy schicksalshafte Folgen. Da sein Lungenflügel getroffen wurde, kann der leidenschaftliche Musiker nie wieder Saxophon spielen. Selbst seine Ex-Frau Hannah (Gina Gershon) schafft es nicht, ihn aus dieser tiefen Depression zu reißen. Neue Lebenskraft schöpft er erst, als er neben einem toten Mann auf der Straße einen ungewöhnlichen Fund macht. In einer Aktentasche entdeckt er einen merkwürdigen Stein und eine Telefonnummer, die ihn zu der jungen Schauspielerin Celia Burns (Mira Sorvino) führt. Gemeinsam mit ihr erlebt er die magische Wirkung dieses leuchtenden Steines, der extreme Glücksgefühle in ihnen auslöst. "Der Stein ist der Motor dieser Geschichte", sagt Auster. "Natürlich läßt sich diese Metapher auf unterschiedliche Weisen interpretieren. Für mich symbolisiert der Stein eine Kraft, die uns näher in dieser Welt zusammenbringt."

    Die leidenschaftliche Liebesgeschichte, die sich zwischen Izzy und Celia entwickelt, wird jedoch von einer schmerzlichen Trennung unterbrochen. Denn Celia muß zu Dreharbeiten nach Irland fliegen, wo sie in "Der Büchse der Pandora" die Lulu spielen soll. Für Izzy, der einige Tage später nachkommen will, beginnt nun ein kafkaesker Alptraum. Er wird von Unbekannten gekidnappt, die ihn in einem verlassenen Lagerhaus gefangen halten. In endlosen Verhören versucht der diabolische Dr. van Horn (William Dafoe) herauszufinden, wo sich Celia mit dem magischen Stein befindet.

    Wie schon in seinen Romanen ist es Auster auch in "Lulu on the Bridge" gelungen, eine geheimnisvolle Welt zu kreieren, die ganz bewußt einige Fragen offenläßt. Erst im Schlußbild fügt sich der Film letztendlich zu einer Einheit zusammen. "Es spielt gar keine Rolle, ob Izzy diese Geschichte nur geträumt hat", erklärt Auster, "denn sie hat eine gewisse Wirkung hinterlassen, auch wenn sie in einer anderen Dimension passiert ist".

    Birgit Heidsiek, dpa

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