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  • Kritik: Alain Resnais vergnügliches Alterswerk "Das Leben ist ein Chanson"

    Frankreich und Deutschland mögen bald eine gemeinsame Währung haben. Aber in Sachen Kino trennen die Nachbarn Welten. Das beweist einmal mehr Alain Resnais' neuer Film "Das Leben ist ein Chanson", der am 9. April in die einheimischen Kinos kommen wird.

    Natürlich nicht in die großen Multiplexsäle, sondern dorthin, wo das Publikum das Besondere auf der Leinwand sucht. Ganz anders war das jenseits des Rheins: Dort lief das höchst vergnügliche Alterswerk eines der großen Filmemachers Europas vor Hunderttausenden ab und war ein kommerzieller Erfolg.

    Denn die Franzosen begegneten in dem zweistündigen Film um Odile, Claude, Camille, Marc, Simon und Nicolas all den Melodien, die Generationen unserer Nachbarn durchs Leben begleitet haben und sie an schöne und traurige Stunden erinnern. Eingeflochten sind die Chansons, die oft nur bruchstückhaft zu hören sind, aber stets mit dem garantierten Wiedererkennungseffekt beim Publikum, in eine amüsante Handlung, in der eigentlich nichts passiert und in der doch die handelnden Figuren elegant und mit gallischem Raffinement durcheinandergewirbelt werden.

    Und das geht so: Der Geschäftsmann Nicolas trifft in Paris die Schwester Camille seiner früheren Geliebten Odile, dann auch diese selbst und deren müden Ehemann Claude. Derweil begegnet Odile bei der Wohnungssuche dem gutaussehenden, aber skrupellosen Makler Marc, der in seinem eigentümlichen Angestellten Simon auch einen heimlichen Rivalen um die Gunst Odiles hat. Das amouröse Karussell wird von Resnais in Gang gesetzt, dreht sich immer schneller. Schließlich kommt die Stunde der Wahrheit für alle sechs Personen bei einer Einweihungsfeier. Aber wie die sich gestaltet, wird natürlich nicht verraten.

    Der 76jährige Resnais kam auf erstaunlichen Wegen zu diesem in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Film. Sein Produzent schlug vor, eine speziell fürs Kino geschriebene Oper zu drehen. Und die Co-Autoren seines letzten Films "Smoking/No Smoking", Angnes Jaoui und Jean-Pierre Bacri, hatten Lust, sich selbst einmal hinreißende Rollen zu schreiben. Nun verkörpern sie Nicolas und Camille mit Charme wie Können in einem Film, dessen Hauptthema Resnais so beschreibt: "Wie der Mensch sein Leben lang Masken trägt und bemüht ist, den Schein zu wahren".

    Der deutsche Titel "Das Leben ist ein Chanson" hört sich gut an, ist aber ein wenig irreführend. Denn der Originaltitel heißt wörtlich übersetzt: "Man kennt das Chanson". Das ist deshalb nicht unwichtig, weil sich Resnais bewußt dafür entschied, nur sehr populäre Lieder in seine Filmdialoge einzubauen, die das Gesagte auf oft umwerfend komische, aber auch sentimentale Weise akzentuieren. Der Regisseur wollte, "daß die Lieder ohne Vorwarnung in die Szene hereinplatzen". Der Streifen wird in Deutschland in Originalsprache mit Untertiteln gezeigt. Das sollte vom Besuch dieses wunderbaren Kinovergnügens nicht abhalten, sondern es erhöht nur den Genuß.

    Wolfgang Hübner, AP

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