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  • Kritik: Al Pacino zieht in "City Hall" die Fäden

    Bei einer Schießerei zwischen einem Polizisten und einem Drogendealer gerät ein kleiner schwarzer Junge in die Schußlinie und stirbt durch eine verirrte Kugel. Was zunächst nur ein weiteres der alltäglichen Verbrechen auf den Straßen New Yorks zu sein scheint, entpuppt sich in Harold Beckers neuem Politthriller "City Hall" schnell als handfeste Mischung aus mafiösen Machenschaften und Vetternwirtschaft im urbanen Zentrum der Macht.

    Während der charismatische Bürgermeister John Pappas (Al Pacino) vor der aufgebrachten Menge sein Mitgefühl inszeniert, hält ihm sein junger, noch idealistischer Assistent Kevin Calhoun (John Cusack) den Rücken frei. Doch bei seinem Versuch, durch eigene Recherchen Schadensbegrenzung zu betreiben, stößt die idealististische rechte Hand des Stadtoberhauptes in ein Wespennest der Machtkämpfe und Manipulationen.

    Gutachten und Beweise verschwinden, der Bewährungsreport des toten Dealers wird gefälscht, Zeugen werden ermordet. Und ausgerechnet der erfahrene Richter Walter Stern (Martin Landau) soll für die fatale Freilassung des Mafiosi verantwortlich sein. Gemeinsam mit einer attraktiven Polizisten-Seelsorgerin (Bridget Fonda) öffnet Calhoun die Türen zu den Hinterzimmern der Macht, in denen vor Bestechung, Korruption und Mord nicht zurückgeschreckt wird. Dort zieht ein Insider-Club von Politikern, Funktionären und Verbrechern mit einem fragwürdigen Ehrenkodex die Fäden.

    Beckers fiktiver Blick hinter die Kulissen hat einen durchaus authentischen Rahmen. Ken Lipper, Ende der 80er Jahre Stellvertreter des legendären New Yorker Ex-Bürgermeisters Ed Koch, hat als Co-Produzent seine Erfahrungen aus dem Rathaus in dem Streifen verarbeitet. Durch die guten Beziehungen zur Stadtverwaltung gibt es daher neben dem stets überzeugenden "Oscar"-Preisträger Al Pacino noch einen eher geheimen Star in "City Hall": die Stadt New York. Das Team um Regisseur Becker ("Sea of Love", "Malice") drehte unter Verzicht auf Studioaufnahmen an fast 70 verschiedenen Drehorten in und um den "Big Apple" von der Brooklyn Bridge über die Hochbahnen von Queens bis hin zum alten Rathaus.

    Dennoch ist "City Hall" einer dieser Politthriller, die kommen und gehen, die reichlich Spannung versprechen, sie aber nur in wenigen Fällen aufbauen können. Der Film verleiht zwar einen Einblick in das politische und wirtschaftliche Epizentrum der Stadt, das Rathaus. Auch sind die Reihen der Polit-Prominenz und der Mafia zum großen Teil gut besetzt. Doch vermag der Streifen nicht zu fesseln. Zu offensichtlich ist die Verwicklung des Stadtoberhauptes in die dreckigen Machenschaften, zu unausgegoren die Beziehung zwischen Cusack und Fonda, zu verwirrend die subtilen Intrigen und Beziehungen in den Grauzonen von Rechtschaffenheit und Illegalität.

    Von Martin Oversohl, dpa

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