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  • Kritik: Agentenfilm-Parodie mit Tiefsinn

    Geoffrey Rush zieht alle Register seines Ausnahmetalents

    Der schmierige James-Bond- Verschnitt braucht einen spektakulären Erfolg. Harry Pendel (Geoffrey Rush) soll ihm dazu verhelfen. Der schlägt sich vor Ort als Schneider für die Gutbetuchten durch und kennt durch seinen erlauchten Kundenkreis offenbar viele der Geheimnisse hinter den Kulissen der Staatsgewalt.

    Mit Regierungsmitarbeiterin Louise (Jamie Lee Curtis) hat er sogar eine Gattin im Dunstkreis der Macht. Und er hat eine schmutzige Weste. Was ihn erpressbar macht. Also plaudert Harry gegenüber Andy beispielsweise über die "Schweigsame Opposition", eine militante Untergrundbewegung, berichtet brühwarm, was ihm der Präsident Panamas bei der letzten Anprobe verraten hat. Lange ahnt Andy nicht, dass sämtliche News erfunden sind. Harry weiß sich nämlich nur mit einem flott gestrickten Lügengespinst zu helfen, um die Schatten der Vergangenheit vor seiner geliebten Louisa weiterhin verbergen zu können. Doch Lügen haben bekanntlich kurze Beine...

    Die Stories von Bestseller-Autor John le Carré (69), weltberühmt seit seinem 1965 verfilmten Thriller "Der Spion, der aus der Kälte kam", fußen stets auf Erfahrungen. Le Carré sammelte sie selbst als britischer Botschaftsangehöriger im geteilten Berlin. Auch "Der Schneider von Panama" hat reale Hintergründe. Diese beschrieb le Carré am Rande der diesjährigen Internationalen Filmfestspiele Berlin im Februar in einem dpa-Gespräch folgendermaßen: "Der kalte Krieg ist vorbei, doch gekämpft wird noch immer. Die Gräben verlaufen inzwischen nur in andere Richtungen. Wir bilden uns gern ein, dass die Wahrheit im Zeitalter der neuen Medien immer offen zu Tage liegt. Das ist ein Irrtum. Es gibt noch genauso viel Geheimniskrämerei wie vor vier, fünf Jahrzehnten."

    Le Carré betonte, wie sehr er von der von John Boorman ("Excalibur") inszenierten Verfilmung seines Romans angetan sei. "Mir gefällt die Balance von Ironie und Ernsthaftigkeit", sagte er und ergänzte: "Bei aller Unterhaltung blieb der politisch grundierte Kommentar zur Lage in Zentralamerika erhalten. Das ist mir wichtig."

    Die clever gebaute Handlung und die kabarettistische Verhonepipelung des Geheimdienst(un)wesens amüsieren trefflich. Dass der Film begeistert, liegt insbesondere an den Hauptdarstellern. Deren spürbare Spiellaune überträgt sich im Handumdrehen auf das Publikum. Jamie Lee Curtis ist als liebende Ehefrau, die sich nur mit Mühe den Schmuddelavancen des Sexprotzes Andy entziehen kann, nicht nur eine Augenweide. Mit ihrer die schlichte Menschlichkeit betonenden Darstellung sorgt sie für Ruhepunkte in der Hektik der sich von Szene zu Szene wilder steigernden Farce.

    Geoffrey Rush zieht alle Register seines Ausnahmetalents, um dem Titelhelden neben der Lächerlichkeit auch Würde und Seriosität zu verleihen. Clou der Besetzung ist Pierce Brosnan als Andy. Sein Porträt des Dreckskerls im verrutschten Gewand eines halbseidenen Charmeurs ist von faszinierendem Ekel. Selbstironisch bis an die Schmerzgrenze, zeigt Brosnan ganz nebenbei, wie schmutzig das zweitälteste Gewerbe der Welt fern romantischer Verklärung ist. Damit erfüllt der 007-Star John le Carrés Intention aufs Beste und entlarvt Legionen unsterblicher Kino-Strahlemänner an der unsichtbaren Front als höchst fragwürdige Phantasiefiguren. John le Carré kommentierte Brosnans Darstellung im dpa-Gespräch mit einem Schmunzeln so: "Großartig! Pierce Brosnan ist sehr lustig. Aber er kommt dabei der Wirklichkeit derart nah, dass mir mitunter das Lachen im Halse stecken bleibt."

    Peter Claus, dpa

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