40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Adrien Brody als Einfältiger
  • Kritik: Adrien Brody als Einfältiger

    Das schockierende Ende des Geister-Thrillers «The Sixth Sense» machte US-Regisseur M. Night Shyamalan über Nacht zum Star. Mit seinem vierten großen Film «The Village» geht er cineastisch neue Wege.

    Shyamalans Markenzeichen sind eigentlich überraschende Wendungen und Mystik. Die Story von «The Village - Das Dorf» ist aber weniger spektakulär als die von Vorgängerfilmen wie «Unbreakable» und «Signs», die Geschichte entwickelt sich sehr gemächlich und die Auflösung wird vielen recht vorhersehbar vorkommen.

    Der Film handelt von einem abgelegenen Dorf, in dem die Menschen am Ende des 19. Jahrhunderts in einer abgeschirmten Gemeinschaft leben, umringt von einem Wald, in dem blutrünstige Monster hausen. «Die, von denen wir nicht sprechen», werden sie in einer seltsamen Ähnlichkeit mit den «Harry-Potter»-Geschichten genannt. Es gibt einen Pakt: Die Menschen gehen nicht in den Wald, dafür lassen die Ungeheuer das Dorf in Ruhe. Rot ist eine «Böse Farbe», denn sie zieht die Monster an, gelbe Fahnen am Rande des Waldes und gelbe Gewänder sollen sie abschrecken. Eines Tages wagt der junge Lucius Hunt (Joaquin Phoenix) einige Schritte in den Wald und von da an scheint das Böse den Pakt als gebrochen zu betrachten.

    Mit «The Village» beweist der gerade erst 34-jährige Shyamalan, dass er ein würdiger Erbe des Altmeisters Alfred Hitchcock ist. Er beherrscht die Kunst des extremen Nervenkitzels und versetzt die Zuschauer in einen Dauerzustand der Angst wie in einem gehobenen Horrorfilm. «The Village» ist aber tiefgründiger als auf den ersten Blick erscheinen mag und funktioniert anders als bisherige Shyamalan-Streifen. Während in denen die überraschende Wendung der absolute Höhepunkt war, ist es diesmal eher ein Film mit «Nachwirkung». Geht man den Film später noch einmal durch, erscheint vieles in einem anderen Licht, von der traurigen Anfangsszene an.

    Im Grunde ist der Film eine Studie der Angst, der Natur, der Mechanismen der Angst und damit gewollt auch eine Fabel für unsere heutige Welt, die wieder stark von Angst geprägt ist. Der Regisseur spielt auch mit den Erwartungen der Zuschauer, die nach seinen vorherigen Filmen die ganze Zeit auf eine Überraschung warten.

    Shyamalan nimmt seine Arbeit sehr, sehr ernst. Die Darsteller von «The Village», darunter Stars wie Sigourney Weaver, William Hurt oder Oscar-Preisträger Adrien Brody, steckte er für mehrere Wochen in ein Lager, in dem sie unter Bedingungen des 19. Jahrhunderts leben mussten. «Ich habe dadurch eine zusammengeschweißte Schauspieler-Gemeinschaft bekommen», freute sich der Regisseur. Der Perfektionist lässt kein Detail aus. Eine Szene habe auf ihn die ganze Zeit irgendwie falsch gewirkt, erinnerte er sich. Schließlich ließ er sie in Einzelteile zerlegen und stellte fest, dass bei der Nachvertonung ein Fehler passiert war. «Der Tonfall der Schritte war zu aggressiv und passte nicht zur Atmosphäre», erklärte Shyamalan.

    «The Village» sei seine komplizierteste Arbeit bisher gewesen, sagt Shyamalan, der stets seine eigenen Drehbücher verfilmt. Das Schreiben dauerte so lange wie nie zuvor, da er die Sprache an das Jahr 1897 anpassen und jeglichen Sarkasmus vergessen musste. Statt der üblichen kleinen Besetzung musste er diesmal ein großes Schauspieler-Ensemble mit hunderten Statisten dirigieren, die alle «Unschuld im Blick» haben mussten. Alle wurden auf strengste Geheimhaltung eingeschworen. Die Starbesetzung wurde am Ende von der Newcomerin Bryce Dallas Howard in den Schatten gestellt. Die 23-jährige Tochter von «Apollo-13»-Regisseur Ron Howard spielt die blinde Ivy, der eine Schlüsselrolle in der Geschichte zufällt.

    Shyamalan, in dessen Namen das «M.» für den indischen Vornamen Manoj steht, wurde in eine Familie indischer Ärzte hineingeboren. Mit acht fing er an, kleine Filme mit einer Videokamera zu drehen. Seine ersten beiden richtigen Streifen in den 90er Jahren waren wenig beachtete Independent-Filme. Dann schrieb er das Drehbuch für den Kinderfilm «Stuart Little» und wenig später kam mit «Sixth Sense» der Durchbruch. Steven Spielberg lud ihn vor kurzem ein, das Buch für den vierten Teil der Abenteuer von Indiana Jones zu schreiben, Shyamalan musste aber aus Zeitgründen ablehnen. Wie einst Hitchcock taucht er auch kurz in seinen Filmen auf, im neuen Streifen als der Mann hinter dem Schreibtisch gegen Ende des Films.

    Nachdem «The Village» ziemlich schlechte Kritiken in den USA erntete, die von «lächerlich» bis «amateurhaft» gingen, und das Premieren-Einspielergebnis von 50 Millionen Dollar überraschender als die Story bezeichnet wurde, zeigte sich Shyamalan gelassen. Er mache Filme nicht für die sechs Wochen, in denen sie Kasse im Kino machen, sondern dafür, dass man sich noch in zehn Jahren an sie erinnert. Und auf die Frage, womit er in die Filmgeschichte eingehen möchte, antwortete er kurz: «Originalität».

    dpa

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
    Bettina Tollkamp

    Bettina Tollkamp

    Chefin v. Dienst

    E-Mail

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    5°C - 9°C
    Montag

    3°C - 8°C
    Dienstag

    2°C - 6°C
    Mittwoch

    3°C - 7°C
    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!