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  • Kritik: Actionthriller "The Saint - Der Mann ohne Namen"

    Frankfurt/M (AP) Das amerikanische Publikum brauchte nur eine Woche, um den Actionthriller "The Saint - Der Mann ohne Namen" als laues Filmchen zu durchschauen. Denn nach rasantem Start in den US-Kinos sank die Besucherzahl rapide ab - immer ein untrügliches Indiz für negative Mundpropaganda. Sie hat ihren Grund: Die Auferstehung des alten Roman- und TV-Helden Simon Templar auf der Leinwand, verkörpert von Val Kilmer, ist ein zu überfrachteter Film geworden, um sich wirklich mit James-Bond-Streifen oder dem erfolgreichen Hit "Mission Impossible" messen zu können. Ab 1. Mai können sich auch deutsche Zuschauer davon überzeugen.

    Die Idee, den charmanten Meisterdieb Templar im Kino agieren zu lassen, lag spätestens nach dem Kassenschlager "Mission Impossible", der ja auch seine Wurzeln in einer TV-Serie ("Cobra, übernehmen Sie") hatte, in der Luft. In den 60er Jahren hatte Roger Moore in der weltweit beliebten Fernsehreihe diesen Meisterdieb im Dienste der Gerechtigkeit zum großen Erfolg verholfen. Das war noch vor seiner Zeit als James Bond. Inzwischen ist Moore längst in seinen wohlverdienten Ruhestand gegangen. Aber die Produzenten muß die Aussicht gereizt haben, eine seit fast 70 Jahren populäre Figur erneut zu vermarkten und volle Kassen zu ernten.

    Daß die nun nicht ganz so klingeln werden wie erhofft, liegt nicht unbedingt am australischen Regisseur Phillip Noyce, sondern schon eher an einem Drehbuch, das die Akzeptanz des Zuschauers mit einem Sperrfeuer von Unglaubwürdigkeiten überstrapaziert. Gezeigt wird ein Abenteuer Templars im völlig zerrütteten Moskau. Dort greift der lebenslustige Bösewicht Tretiak nach der Macht. Der bärtige Milliardär und sein langhaariger Sohn kontrollieren die russischen Ölvorräte und lassen die Moskauer frieren, um die politische Alleinherrschaft zu erpressen. Gefahr soll ihm laut Drehbuch ausgerechnet von einer sanftmütigen Wissenschaftlerin im fernen Oxford drohen.

    Diese Blondine mit einem Herzfehler namens Dr. Emma Russell, gespielt von der sympathisch mädchenhaften Elisabeth Shue, hat die Formel für eine spottbillige Alternativenergie entwickelt, stellt also eine Gefahr für Tretiaks Pläne dar. Also wird "The Saint" (Der Heilige), wie Templar genannt wird, von dem fiesen Russen beauftragt, sich dieser Formel zu bemächtigen. In immer neuen Verkleidungen schafft Templar das auch, verliebt sich aber in die von ihm arglistig getäuschte Frau. Beide irren schließlich auf der Flucht vor Tretiaks Häschern über Moskaus Dächer und in seinen maroden Abwässerkanälen dem Happy-End entgegen.

    Die Macher von "The Saint - Der Mann ohne Namen" sind stolz auf die Außenaufnahmen in der russischen Hauptstadt. Dort konnten sie vier Nächte lang auf dem eigens für die Dreharbeiten abgesperrten Roten Platz schalten und walten. Diese Großzügigkeit läßt sich nur so erklären, daß die Russen das Drehbuch nicht kannten. Denn der Film entwickelt ein verheerendes Bild von den Verhältnissen des Landes: Kriminalität regiert, alles ist käuflich, die wahren Herrscher sind die Verbrecher. Da erscheint es als ein Glück, daß es in diesem Meer des Unrechts noch die amerikanische Botschaft als schützende Insel der Gerechten gibt.

    Es ist schade um die schauspielerischen Fähigkeiten der Hauptdarsteller und auch die ehrwürdige Simon-Templar-Figur, daß der Film mit seiner wirren Handlung das alles billig verheizt. Insbesondere Elisabeth Shue, die einen großen Erfolg als sentimentale Hure in "Leaving Las Vegas" hatte, ist als Entdeckerin einer genialen Energieformel fehlbesetzt. Was sie wirklich kann, zeigt sie nur in den wenigen stillen Szenen eines Films, der schnell vergessen werden wird. Was Val Kilmer kann, möchte man lieber in einem anderen Streifen mit ihm erfahren.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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