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  • Kritik: Action und zappelige Krabbeltiere

    Wenn «Lucas der Ameisenschreck» auftaucht, wird es gefährlich - zumindest für kleine Krabbeltierchen. Mit großer Freude überschwemmt der Zehnjährige den Ameisenhaufen, trampelt darauf herum und tötet unzählige Insekten.

    Der neue Zeichentrickfilm von Warner Brothers zeigt die Welt aus der Ameisen-Perspektive. Lucas Nickle ist selbst Opfer und wird von den anderen Jungs gehänselt und gequält. Und so lässt er seinen Frust an den Tieren aus, bis ihm diese eine Lektion verpassen und ihn mit Hilfe eines Zaubertrankes auf ihre Größe schrumpfen. Als Familienvergnügen wird der Film, der am 12. Oktober in die Kinos kommt, angepriesen. Dabei ist er ein auf kindlich getrimmter Actionfilm mit flacher, vorhersehbarer Handlung. Unnötig lange, lärmende Kampfszenen, bedrohliche Filmmusik und schnell geschnittene Bilder dürften weniger abgebrühte Kinder vor Angst unter den Kinosessel jagen. Und doch läuft der Film ohne Altersbeschränkung.

    Lucas wird trotz seiner großen, traurigen Kulleraugen nie recht sympathisch, auch wenn der Film Verständnis für seine Situation wecken will. Seine sorglosen Eltern fahren alleine in den Urlaub und lassen ihn mit seiner pubertierenden großen Schwester und der verrückten Großmutter allein. Und dann wird er auch noch von den anderen Jungs verprügelt, so dass er sich an den Tieren abreagiert. So verständlich das auf den ersten Blick erscheint, gibt es doch zu wenig ruhige, emotionale Momente, die den Zuschauer mit Lucas mitfühlen lassen.

    Mit dem Witz früherer Ameisen- und Insektenfilmen wie «Antz» oder «Das große Krabbeln» kann «Lucas der Ameisenschreck» nicht mithalten. Doch zumindest die Computeranimation der mehr als 150 Figuren ist gelungen, ebenso wie die vielen Effekte: Flutwellen, Luftblasen und Rauchschwaden. Auch einige nette Einfälle gibt es - so etwa die Alka-Wurzel gegen Schmerzen und andere Beschwerden, die Zoc entdeckt hat und die sich in einem Wassertropfen sprudelnd auflöst.

    «Sicher denken alle Menschen irgendwann darüber nach, wie die Welt wohl mit den Augen einer Ameise aussieht», sagt der oscargekrönte US-Schauspieler Tom Hanks («The Da Vinci Code»), der den Film produziert hat. «Ihre Welt hat fast etwas Gemütliches.» Doch derartige Einblicke in das Ameisenleben schafft Regisseur John Davis («Jimmy Neutron - Der mutige Erfinder») selten. Üppig sind dagegen die Kampfszenen. Wenn die Wespen angreifen, dröhnen sie wie Kampfhubschrauber. Und die Ameisen schießen die Wespen gnadenlos vom Himmel. Von «feindlichem Feuer» und einem «schönen Schuss» ist ebenso die Rede wie von der ersten Angriffswelle. Und dann ist da noch der böse Schädlingsbekämpfer, der mit seinem Giftgas anrückt.

    Wenn die Ameisen Lucas von ihren Idealen vorschwärmen, ist das eine eigenartige Mischung aus Patriotismus und Religiosität. Tapfer kämpfen sie für Königin und Kolonie und rufen immer wieder voll Wonne «Preiset die Mutter». Dass sich Lucas am Ende von so viel Idealismus anstecken lässt und gelobt, nie wieder einer Ameise ein Haar zu krümmen, überrascht am Ende nicht.

    Cordula Dieckmann, dpa

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