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  • Kritik: Überraschender FantasyThriller aus Russland

    Der alte Kampf der Guten gegen böse Mächte - schon oft hat man das im Kino gesehen. Doch seit «Matrix» hat selten ein Film des Fantasy-Genres das Publikum so überrascht wie «Wächter der Nacht» (Night Watch) aus Russland.

    Für die vergleichsweise lächerliche Summe von rund vier Millionen Euro produziert, hat der Film im Heimatland des Regisseurs Timour Bekmambetov mehr Geld eingespielt als «Herr der Ringe» oder «Spider Man 2». Nun machen die «Wächter» sich auf, auch international für Furore zu sorgen.

    Ein Prolog erzählt im «Herr der Ringe»-Stil von der Jahrhunderte alten Verteilung der Macht auf Erden: Es gibt die Menschen und die «Anderen» - Wesen mit übernatürlichen Kräften, Vampire, Seher oder Tier-Mutanten, die unter den Menschen leben. Die «Anderen» teilen sich auf in Kräfte der Dunkelheit und des Lichts. Nach grauenvollen Schlachten gegeneinander leben sie in einer Art Waffenstillstand: Die «Wächter der Nacht» halten die Bösen in Schach, umgekehrt sorgen die «Wächter des Tages» dafür, dass die Welt nicht allzu sorglos wird.

    Mitten in Moskau nun wird das Gleichgewicht auf eine Probe gestellt. Anton, ein «Wächter der Nacht», findet heraus, dass möglicherweise ein letzter, großer Kampf bevorsteht. Der Fluch über eine Jungfrau, ein 12 Jahre alter «Auserwählter» und unheimliche Krähenschwärme über einem maroden Moskauer Hochhaus zeugen von der drohenden Apokalypse.

    Doch auch Anton (gespielt von dem russischen Bühnenstar Konstantin Khabensky) hat keine blütenweiße Weste. Er schreckt vor Lügen nicht zurück, tötet mit extremen Mitteln und ist mit einem Vampir befreundet, der sich das Blut vom Moskauer Schlachthof besorgt, damit er keine Menschen anfällt. Die «Guten» sind nicht langweilig, das «Böse» ist nicht eindimensional in diesem Film, der außer mit Action, Grusel und Spannung auch mit einer schillernden Story und herrlich finsteren Atmosphäre überzeugt.

    Regisseur Bekmambetov hat den Roman von Sergej Lukjanenko mit größter Sorgfalt und Ideenreichtum umgesetzt. Er kreiert eine zeitgenössische, schmuddelige, brutale Welt und setzt seine niemals billig wirkenden Spezialeffekte stilsicher ein. «Natürlich hatten wir nicht das Geld, uns mit Hollywood zu messen», sagte Bekmambetov während der Berlinale, wo sein Film im Februar präsentiert wurde. «Deshalb packten wir die Fantasy-Elemente mitten in den oft armseligen russischen Alltag.»

    Im sehr realistischen Kontext von Schmutz, Rost und Verwahrlosung entfalten die digitalen Effekte eine ganz eigentümliche Kraft und setzen den Betrachter unter Hochspannung. Dass die Umsetzung eines Fantasy-Thrillers im russischen Alltag auch ironische Seitenhiebe auf Korruption und die Unzulänglichkeiten des Alltagslebens in Putins Reich zulässt, erhöht das Vergnügen ungemein. Teil 2, «Day Watch» ist schon in Moskau abgedreht. Die weitere Fortsetzung des als Dreiteiler geplanten Werkes soll aus Hollywood folgen. Ob die Vervielfachung des Budgets dann auch der Kreativität zu Gute kommt, ist zweifelhaft.

    dpa

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