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  • Kritik: 3-Stunden -Film aus der Zarenzeit

    Um seines "Business" willen setzt ein amerikanischer Erfinder in Moskau die Reize seiner Freundin ein. In dem am 21. Dezember anlaufenden Epos "Der Barbier von Sibirien" klappt diese Taktik zunächst gut, denn Jane Callahan verdreht General Radlov, der McCrackens monströse Dampfmaschine zur Abholzung der sibirischen Wälder befürworten soll, den Kopf.

    Doch dann schlägt die russische Seele zu in Gestalt eines jungen Kadetten, der auch noch Andrej Tolstoi heißt. Er verliebt sich in Jane und wird wiedergeliebt. Doch nicht erst seit "Dr. Schiwago" wissen wir, dass romantisches Schmachten auf der Leinwand schöner sein kann als ein wunschlos glückliches Happy End - und das vor dem Hintergrund ewig rauschender sibirischer Wälder. Leider jedoch geht die Rechnung diesmal nicht auf.

    Ursprünglich sollte die russisch-amerikanische Love-Story sechs Stunden dauern. Während nun drei Stunden immer noch zu lang sind, wären doppelt so viele vielleicht ausreichend gewesen, um die merkwürdigen Anachronismen aufzulösen und die Charaktere verständlicher zu machen.

    Jane ist so emanzipiert, gewitzt und charmant, wie es sich die Frauen des anbrechenden dritten Jahrtausends nur wünschen können. Doch der Film spielt im 19. Jahrhundert, und eine junge Amerikanerin, die allein und ohne ein Wort Russisch zu können, mit dem Zug quer durch Sibirien nach Moskau fährt, die in feiner Gesellschaft ebenso gewandt ist wie im Umgang mit bärbeißigen Zarengenerälen, ist doch etwas seltsam.

    Und das ist noch nicht das Wissenswerteste über diese Kunstfigur, der auch Julia Ormond nicht recht Leben einhauchen kann. Vielleicht dient sie nur als Vehikel, um altrussische Mentalitäten oder das, was sich ein nostalgie-trunkener Regisseur Nikita Michalkow darunter vorstellt, vorzuführen.

    Jane lernt durch den verliebten Kadetten extreme Gefühle kennen: Andrej, glaubwürdig verkörpert vom russischen Theaterstar Oleg Menschikow, lässt seiner Eifersucht freien Lauf, was seine Kameraden von der Militärakademie nicht immer vertuschen können. Umso schlimmer, da sein Konkurrent der mächtige General Radlov ist, der seinerseits Jane auf ein Volksfest ausführt. Dort prügelt man sich zum Spaß, sogar die Bären saufen Wodka, und das kindlich unbekümmerte russische Wesen wogt mächtig.

    Am besten gelungen sind die Schauwerte; am wenigsten die lustig gemeinten Szenen. Schon die monströse titelgebende Maschine, mit der McCracken Sibirien rasieren will, entlockt kein Lächeln. Was die übermütigen Kadetten und der wodkaselige General treiben, soll burlesk sein und ist meist nur plump. Statt ihr Temperament durch Selbstironie zu brechen, wird es distanzlos zelebriert.

    Nikita Michalkow, der für seinen Film "Die Sonne, die uns täuscht" einen Oscar für den besten ausländischen Film erhielt, führt ausgerechnet westliche Klischees über Russland als erstrebenswert vor.

    Vielen gilt sein teures Opus als Werbefilm in eigener Sache, denn es gibt Anzeichen, dass er sich für die russische Präsidentschaft bewerben will. Bekannt ist seine Vorliebe für die vorrevolutionäre Vergangenheit Russlands, die er als Rezept für die heutigen Probleme des Landes propagiert. Höchstpersönlich spielt er eine kleine Rolle als "guter" Zar Alexander III. - eine Kostümanprobe? Seine romantisch-reaktionär getönte Gutenachtgeschichte kam zu Hause glänzend an.

    Birgit Roschy, AP

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