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  • Kritik: "187 - Eine mörderische Zahl"

    Hamburg (dpa) - An die zwei Millionen Gewaltverbrechen werden jährlich in den Vereinigten Staaten innerhalb und in der Nähe von Schulen verübt. Raub, Vergewaltigung und Körperverletzung sind Straftaten, vor denen mehr Schüler in den USA Angst haben müssen, als dies ihren Eltern oft bewußt ist. Doch nicht nur die Schüler, auch die Lehrer haben Übergriffe zu befürchten.

    In "187 - Eine mörderische Zahl" erzählt Kevin Reynolds die spannende und erschreckende Geschichte eines ambitionierten Lehrers, der sich dem aussichtslosen Kampf gegen gewalttätige Schüler stellt und dafür - in einem etwas melodramatischen Finale - schließlich mit seinem Leben bezahlen muß.

    Samuel L. Jackson, der für seine Rollen als Nebendarsteller in Quentin Tarantinos Kultfilm "Pulp Fiction" und in Spike Lees "Jungle Fever" bereits viel Lob, Preise und eine Oscar-Nominierung gewinnen konnte, tritt in "187" als New Yorker Lehrer Trevor Garfield nun endlich auch in einer Hauptrolle auf. Trevor ist ein Lehrer vom alten Schlag, korrekt gekleidet und überzeugt davon, mit seiner Arbeit der Welt und seinen Schülern etwas Gutes tun zu können. Sein Idealismus hilft ihm wenig: Aus Rache für schlechte Noten wird er von einem seiner Schützlinge niedergestochen, ein Anschlag von dem er sich nur knapp erholt. Dennoch versucht er es gut ein Jahr später erneut, diesmal in Los Angeles. Doch wieder wird er von gewalttätigen Schülergangs drangsaliert, bis er sich dem Kreislauf der Gewalt schließlich selbst nicht mehr entziehen kann.

    Nach den nervenaufreibenden Inszenierungen der Mega-Filme "Waterworld" und "Robin Hood - König der Diebe" versucht sich Regisseur Kevin Reynolds mit "187" an einem anderen Filmgenre: Nicht die aufwendige Ausstattung, sondern die Story selbst trägt den Film. Die Geschichte ist einfach, aber glaubwürdig, was nicht überrascht, da Drehbuchautor Scott Yageman selbst sieben Jahre lang als Lehrer an öffentlichen Schulen im Großraum Los Angeles gearbeitet hat. "Was in '187' passiert, das passiert natürlich nicht jeden Tag, in jeder Schule und in jedem Klassenzimmer der USA", so Reynolds, "aber es passiert sehr viel häufiger, als die meisten in Amerika dies wahrhaben wollen".

    Neben der perfekt auf die Bilder abgestimmten Musik, die mit ihrer Mischung aus Hiphop, Drum'n'Bass und Rapmusik die latent aggressive Stimmung in "187" gelungen untermalt, ist es vor allem auch die unkonventionelle Kameraarbeit, die den Film interessant macht. Durch den Einsatz unterschiedlicher Filmmaterialien, Nachbearbeitung der Filmaufnahmen und dem gezielten Einsatz von Unschärfe gelingt es Kameramann Ericson Core, der bisher fast ausschließlich Musikvideos photographiert hat, das an sich langweilige Setting von Klassenzimmern und Schulhöfen optisch zum Leben zu erwecken.

    Leider ist Kevin Reynolds der Schluß von "187" ein Stück zu dramatisch geraten. Das Bild des aufrechten, idealistischen Lehrers, dem von einer rabiaten und autoritätsfeindlichen Horde Schüler seine humanistischen Illusionen geraubt werden, wirkt am Ende doch etwas überstrapaziert. "Es gibt einen Punkt, von dem an Menschen die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen müssen", sagt Trevor Garfield. Hier beginnt in "187 - Eine mörderische Zahl" der Kampf zwischen Gut und Böse, der sich als Grundthema durch so viele amerikanische Filme zieht, aber - wie so oft - auch Reynolds' an sich gelungenem Werk letztlich einen Teil seiner Überzeugungskraft nimmt.    

    Von Peter Zöttl, dpa

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